TÜV in Zukunft jährlich?
Autoindustrie bekommt quasi ein zweites Konjunkturpaket und Nachlässe bei den neuen Emissionswerten
Die Pläne der EU-Kommission sehen vor, statt alle zwei Jahre, nun eine jährliche Hauptuntersuchung zur Pflicht zu machen. Bekannt ist bisher, dass alle neuen Fahrzeuge in Zukunft zum ersten mal nach vier Jahren, danach nach zwei Jahren und dann jährlich zur Hauptuntersuchung sollen. Bei Fahrzeugen, die mehr als 160.000 km gefahren sind, soll die HU ebenfalls jährlich zur Pflicht werden.
Bisher gilt in Deutschland, dass neue Fahrzeuge zum ersten mal nach drei Jahren und dann alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung müssen. Begründet wird die Gesetzesinitiative mit der Statistik: Täglich würden auf Europas Straßen 5 Menschen wegen technischer Mängel an Fahrzeugen sterben. Diese Pauschalaussage wird aber von anderen Stellen hinterfragt. So argumentiert der ADAC, dass in dieser Statistik unter "technischen Mängeln" oft auch geplatzte Reifen mitgezählt würden. Solche Mängel könnte man aber nicht einfach durch häufigere HUs aufdecken.
Sollen die Kommissionspläne eingeführt werden, dürften viele Fahrzeuge früher aus dem Verkehr gezogen werden und ein ähnlicher Effekt eintreten wie bei der Abwrackprämie: Bestandsfahrzeuge fahren kürzer und Neuwagen werden früher angeschafft, die Hersteller dürfte es freuen. Auch das kann man als Motivation hinter den neuen Regelungen vermuten.
Dazu passen auch die neuen Regelungen für die Abgaswerte von Fahrzeugen. Sie werden nun zwar bis 2020 auf nominell 95 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer begrenzt. Dies gilt aber nicht für alle Hersteller, denn Hersteller mit schweren Fahrzeugen im Portfolio müssen weniger strenge Duchschnittswerte erreichen. So soll zwar Fiat 87 Gramm erreichen, Daimler dagegen nur 98,8 und BMW gar nur 100 Gramm. Und damit das auch klappt, wurden noch zwei weitere Schlupflöcher in die Regelung eingebaut: "Leichte Nutzfahrzeuge" fallen raus, für sie gilt nur 147 g / km - und für jedes, nominell emissionsfreie, Elektrofahrzeug dürfen sich die Hersteller 1,3 Fahrzeuge für die CO2-Statistik anrechnen.
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