Eine Frage des Einkommens
Macht Energieeffizienz nur den Mehrkonsum erschwinglich?
Energiesparlampen, Passivhäuser, A+++-Kühlschränke, etc. - bringen sie am Ende wirklich Energieeinsparung oder machen sie nur den Mehrkonsum durch hellere Räume, höhere Raumtemperaturen auf größeren Wohnflächen und noch größere Kühlschränke erschwinglich und konterkarieren so das ursprüngliche Ziel der Effizienz?
Die Zeitschrift et nennt als Beispiel für Langzeiterfahrungen mit Effizienzmaßnahmen den US-Bundesstaat Kalifornien mit seiner Energieeffizienzpolitik seit den 1970er Jahren. Dort ist der Pro-Kopf-Stromverbrauch im Gegensatz zu den anderen Bundesstaaten seit 1974 konstant geblieben; und das einschließlich aller Reboundeffekte (Mehrverbrauch als Folge von Effizienzerfolgen).
Gegner der Energieeffizienzförderung und Klimaskeptiker behaupten dagegen gerne, dass Energieeffizienz letztendlich keine Vermeidung von Klimagasen und aufgrund der Reboundeffekte auch kaum etwas an Energieeinsparung bringe und stattdessen zu einem Ausbremsen des Wirtschaftswachstums führen würde. In diesem Sinne verhinderte die deutsche Delegation innerhalb der EU die Festsetzung wirksamer Effizienziele. Dabei müssten einige makroökonomische Effekte der Energieeffizienz doch gerade im Sinne dieser Wirtschaftsapologeten sein. Denn höhere Produktivität kann zu höherem Wirtschaftswachstum beitragen, und sinkender Verbrauch vermindert die Energiepreise.
Messungen direkt bei Verbrauchern ergaben, dass die Reboundeffekte für Raumheizung und -kühlung, für effiziente Fahrzeuge und Beleuchtung zwischen 0–30 Prozent der durch effiziente Technik erreichten Energieeinsparung liegen. Auffällig dabei ist, dass das einkommensabhängig ist. Denn je höher das Einkommen ist, desto höher ist auch schon der bisherige Komfortlevel – und desto geringer erwiesen sich die Rebound-Effekte.
Das legt nahe, dass Energieeffizienz in bisher sparsamen und "energiearmen" Haushalten zunächst für mehr Komfort verbraucht wird, bis ein als ausreichend empfundener Komfortlevel erreicht ist. Je nach Studie wird dieser Effekt, dass also eingesparte Energiekosten für zusätzliche Güter und Dienstleistungen ausgegeben werden, mit 1–2 Prozent (Internationale Energie Agentur), 5 Proeznt (Wuppertal Institut) und in einer britischen Studie mit 11 Prozent angegeben.
Insgesamt wird davon ausgegangen, dass die tatsächlich durch Energieeffizienz verursachten Reboundeffekte, einschließlich des teilweisen Mehrverbrauchs an grauer Energie für die Herstellung der effizienteren Geräte, in der Summe maximal 25 Prozent der Energieeinsparung wieder "auffressen", dass heißt technische Energieffizienz kommt am Ende zu mindestens 75 Prozent als tatsächliche Energieeinsparung an.
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