Südasien: Erneuerbare als Ausweg aus der Energiekrise
Pakistan will auf Wind- und Solarenergie setzen, in Bangladesh hat eine kleine solare Revolution begonnen
Pakistan leidet wie manches aufstrebende Entwicklungsland unter einer mangelhaften Versorgung mit Strom. Das hat mit Problemen bei der Infrastruktur zu tun, aber auch mit den zur Verfügung stehenden Kraftwerken. Häufige Blackouts verursachen Schäden im Milliardenhöhe und haben im ersten Halbjahr 2012 in den Großstädten des Landes wiederholt zu Protesten geführt.
2009 wurde 29 Prozent des Stroms von Wasserkraftwerken geliefert, 36 Prozent der Kraftwerke wurden mit Gas und 32 Prozent mit Öl befeuert. Letzteres dürfte angesichts der hohen Preise mehr und mehr zu einem ökonomischen Problem werden, mal davon abgesehen, dass die Stromproduktion zwar von Jahr zu Jahr steigt, aber dem wachsenden Bedarf kaum hinterher kommt. Für Ölimporte werden derzeit 12 Milliarden US-Dollar jährlich ausgegeben.
Ein Ausweg aus der Krise könnten mittelfristig Windkraft- und Solaranlagen sein. Die Zeitung Pakistan Today schreibt, dass die Regierung ausländische Investitionen in diesem Bereich anlocken will. Derzeit entstehen bereits Windparks an vier Orten im Land. Insgesamt habe das Land ein Potenzial von 150 Gigawatt (GW) an Windleistung. Bis 2015 hofft die Regierung 2,5 GW installiert zu haben. Kürzlich wurde mit chinesischen Unternehmen eine Absichtserklärung über den Bau von Anlagen mit einer Leistung von 0,55 GW unterzeichnet.
Andere Rechnungen gehen sogar davon aus, dass das Windpotenzial mit 340 GW mehr als doppelt so groß ist. Noch mehr könnte die Sonne liefern, deren Potenzial mit 2900 GW angegeben wird. Zusätzliche Großstaudämme könnten 50 GW beisteuern, kleinere Beiträge sind außerdem mit Geothermie, Abfallverwertung und kleinen Stauwerken möglich.
Bangladesh, das sich 1971 in einem blutigen Krieg von Pakistan befreite, hat, was die Energieversorgung angeht, ganz ähnliche Sorgen. 6,75 GW sei derzeit zur Versorgung nötig, berichtet Al Jazeera, aber nur 5,5 GW stünden zur Verfügung. (Zum Vergleich: In Deutschland, das nur rund die Hälfte der Einwohner hat, ist tagsüber meist eine Kraftwerksleistung von rund 60 GW am Netz, oftmals auch mehr. Am 27.8. waren es zwischen 12 und 13 Uhr 47 GW konventionell, 2,5 GW Wind und 18,4 GW Sonne.) Auch in Bangladesh war es in letzter Zeit wegen langanhaltendem Stromausfall zu rabiaten Protesten gekommen.
Als eine der Gegenmaßnahmen will die Regierung nun auf Solarenergie setzen. Zumindest Ampeln und Straßenlaternen sollen mit Strom aus Photovoltaikanlagen betrieben werden. Der Sender spricht allerdings von Kosten in Höhe von 5000 US-Dollar pro Panel, was darauf hindeutet, dass man nicht gerade die billigste Lösung ausgesucht hat. Kleine 50-Watt-Haussysteme kosten, wie die Nachrichtenagentur Reuters schreibt, mit Speicher im Durchschnitt 312 US-Dollar und sind offenbar sehr beliebt. Im letzten Jahr seien pro Monat 40.000 installiert worden, in diesem Jahr liege die monatliche Rate bei 55.000. Fünf Prozent der Haushalte sei inzwischen schon mit Solaranlagen ausgerüstet. Da scheint das Regierungsziel, bis 2020 zehn Prozent des Stroms von erneuerbaren Energieträgern zu beziehen, eher bescheiden.
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