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Energie: Werden die USA zum Selbstversorger?

IEA legt Jahresbericht vor, der eine rosige Zukunft für die US-Öl- und Gasindustrie ausmalt. Fossile Energieträger werden weltweit jährlich mit einer halben Billion US-Dollar subventioniert

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Das sind Nachrichten, die Barack Obama im Wahlkampf gefallen hätten: Die Internationale Energie Agentur (IEA) geht in ihrem neuesten energiepolitischen Ausblick, dem jährlich publizierten World Energy Outlook, davon aus, dass die USA zum größten Ölproduzenten und bis 2035 zum Energie-Selbstversorger werden. Aber Obama hat die Wahl ja auch so souverän gewonnen.

Schon ab 2020, so die IEA-Prognose, könnte das Land zum Netto-Exporteur von Erdgas werden. Erdgas bedeutet in den USA vor allem Schiefergas, das mit hohem Aufwand giftiger Chemikalien – die genaue Zusammensetzung bleibt Firmengeheimnis und wird den betroffenen Bürgern nicht mitgeteilt – und Wasser, sowie Energie aus dem Boden gepresst wird.

Entsprechend sieht in den USA nicht jeder die Lage so rosig. Mal abgesehen von den Verwüstungen, die durch das engmaschige Netz von Bohrungen angerichtet werden, die für eine effektive Ausbeutung notwendig sind, halten einige Beobachter die Lagerstätten für lange nicht so ergiebig wie behauptet.

Offensichtlich erschöpfen sich die Bohrlöcher manchmal schon innerhalb von Monaten. In Ohio, wo das Utica-Feld, angeblich eines der größten Schiefergasvorkommen in den USA, angezapft wird, werden die Förderzahlen wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Erst in diesem Sommer war eine Gesetzesänderung, die für mehr Transparenz sorgen sollte, am Widerstand der Industrie gescheitert.

Und was die Ölförderung angeht, ist die Prognose der IEA weniger sensationell, als sie anmutet. Schon jetzt ist der Abstand zur Nummer eins für die USA gar nicht mehr so groß. Saudi Arabien fördert derzeit 11,6 Millionen Barrel pro Tag, die USA 10,9 – ein Zuwachs um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr – und Russland 10,3 Millionen Barrel.

Der US-Verbrauch liegt allerdings bei 18,7 Millionen Barrel pro Tag, und ob sich die Förderung wirklich nachhaltig auf 13 oder 15 Millionen Barrel steigern lässt, wie es einige erhoffen, bleibt abzuwarten.

Neue Vorkommen zu erschließen, wird immer aufwendiger, die Felder sind heutigen Tags zudem winzig im Vergleich zu den großen Funden früherer Jahrzehnte. Letzteres bedeutet, dass sie sich schon nach wenigen Jahren erschöpfen und durch neue Lagerstätten ersetzt werden müssen.

Ansonsten geht das zentrale Szenario der IEA davon aus, dass der Weltenergiebedarf bis 2035 um ein Drittel zulegen wird. 60 Prozent des Nachfragewachstums würden demnach auf China, Indien und den Mittleren Osten entfallen und kämen trotz erheblicher Effizienzsteigerung zustande:

"This year's World Energy Outlook shows that by 2035, we can achieve energy savings equivalent to nearly a fifth of global demand in 2010. In other words, energy efficiency is just as important as unconstrained energy supply, and increased action on efficiency can serve as a unifying energy policy that brings multiple benefits."

IEA Executive Director Maria van der Hoeven

Für die OECD-Staaten gehen die IEA-Ökonomen davon aus, dass sich der Verbrauch kaum erhöhen wird, aber massiv in Richtung Erdgas und Erneuerbare verlagert, was für das Klima eine gute Nachricht wäre. 2035 würden die Erneuerbaren mit Kohle um den Platz des Stromlieferanten Nummer eins konkurrieren.

Insgesamt würde die Energieversorgung aber weiter von den fossilen Energieträgern dominiert, was nicht zuletzt an den 523 Milliarden US-Dollar läge, mit denen ihr Verbrauch 2011 subventioniert wurde. Das sei ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewesen. Zum Vergleich: Die weltweiten Subventionen von Sonne, Wind & Co. gibt die IEA für das gleiche Jahr mit 88 Milliarden US-Dollar an.

Den derzeitigen Boom der Exploration von Offshore-Feldern hält offensichtlich auch die IEA nicht für nachhaltig. Damit würde bis 2020 die Förderung in den Nicht-OPEC-Staaten kräftig steigen, aber im folgenden Jahrzehnt werde die Welt wieder verstärkt von den OPEC-Ländern und hier vor allem von der Steigerung der Förderung im Irak abhängen. Wie die Agentur dennoch auf einen Rohölpreis von lediglich 125 US-Dollar zu heutigen Preisen pro Barrel im Jahre 2035 kommt, bleibt ihr Geheimnis.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/153178
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