Krebsrisiko in Fukushima nach WHO-Bericht nur gering und meist nicht signifikant angestiegen
Für die Menschen außerhalb der Präfektur sei das Risiko vernachlässigenswert, bei Kindern in der näheren Umgebung des Reaktors ist es allerdings angestiegen
Nach einem noch unveröffentlichten Bericht der WHO, der der japanischen Zeitung Asahi Shimbun vorab zugespielt wurde, ist das Krebsrisiko durch den Atomunfall von Fukushima angeblich nicht signifikant angestiegen. Das Gesundheitsrisiko für die Menschen außerhalb der Fukushima-Präfektur werde in den Bericht als vernachlässigenswert bezeichnet. Schon im Mai wurden nach dem vorläufigen WHO-Bericht die Gesundheitsrisiken als gering eingeschätzt.
In Japan, wo der Streit um die Atomenergie noch weiter anhält, dürfte der Bericht, sollte die Meldung zutreffen, die Atomenergiebefürworter stärken. Allerdings stützt die WHO ihre Aussagen über die langfristigen Auswirkungen der radioaktiven Belastung auf die Erkenntnisse, die man aus den Atombombenabwürfen 1945 und der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl gewonnen hat. Zusammen mit Messergebnissen der radioaktiven Belastung von Menschen im Alter von 1, 10 und 20 Jahren in und außerhalb von Fukushima hat die WHO das Risiko für Krebserkrankungen in den nächsten 15 Jahren seit dem Unfall und für die gesamte Lebenszeit eingeschätzt.
In Tschernobyl hat die radioaktive Belastung der Evakuierten nach der WHO 490 Millisievert betragen, die lebenslange radioaktive Belastung der Schilddrüsen der Einjährigen wird in Namie mit 122 Millisiervert angegeben, in Iitate mit 74 und in anderen Städten wie Fukushima mit 43. Es kann allerdings nicht ausgeschlossen werden, dass Gesundheitsrisiken auch durch eine Belastung unter 100 Millisievert eintreten können. Nach Ansicht der WHO-Experten wurden die Risiken eher überschätzt, um sicher zu gehen, keine Fehlprognosen zu machen.
Das höchste Risiko haben die zwanzigjährigen Menschen, die in Namie, in unmittelbarer Nähe zum AKW, gelebt haben. Das Risiko, während des gesamten Lebens an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, sei hier um das Zehnfache angestiegen, bei anderen Krebsarten wurde ein geringerer Anstieg zwischen 1 und 3 Prozent abgeschätzt. Für die anderen zwanzigjährigen Menschen in der Fukushima-Präfektur wird das Krebsrisiko nur um weniger als ein Prozent ansteigen, was statistisch nicht signifikant ist.
Bei Kindern sieht die Lage allerdings anders aus. Hier schwankt die radioaktive Belastung sehr viel stärker je nach Wohnort. Für einjährige Mädchen in Namie steigt das Risiko, an Schilddrüsenkrebs zu erkranken, bis zum 16. Lebensjahr um das 9,1-Fache von 0,027 Prozent vor dem Unfall auf 0,037 nach dem Unfall. Bei den Jungen steigt das Risiko hier um das 1,8-Fache ausgehend von 0,03 Prozent vor dem Unfall. In Iitate, 40 km vom AKW entfernt, steigt das Risiko für Einjährige zum Zeitpunkt des Unfalls um das 5,9-Fache, in der Hauptstadt Fukushima um das 3,7-Fache.
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