Das AKW und der Schneesturm
Mehr als vier Tage mussten Dieselgeneratoren die Notversorgung der Kühlung aufrecht erhalten. Atommüll wird seit 40 Jahren auf dem Betriebsgelände gehortet
Das AKW Pilgrim im US-Bundesstaat Massachusetts ist inzwischen wieder am Netz. Etwas mehr als vier Tage war es von der Stromversorgung abgeschnitten, nachdem es, wie berichtet, durch den Schneesturm „Nemo“ am 8. Februar zu einer Schnellabschaltung gezwungen wurde. Da Netzausfälle und eine Sturmflut vom Wetterdienst für die Region angekündigt worden waren, hatten Umweltschützer die Aufsichtsbehörde NRC aufgefordert, eine vorsorgliche Abschaltung anzuordnen. Dieses war jedoch abgelehnt worden.
Die Behörde fühlt sich nun durch den Ablauf der Ereignisse bestätigt. Alles für die Sicherheit der Anwohner Notwendige sei unternommen worden.Laut Wikipedia leben im Umkreis von 80 Kilometern, der äußeren Sicherheitszone nach US-Recht, 4,73 Millionen Menschen. Auch die Großstadt Boston liegt in diesem Bereich.
Besonders beruhigend sind die Behörden-Versicherungen allerdings nicht. Eine automatische Schnellabschaltung, wie sie schließlich eintrat, stellt an Material und Technik hohe Anforderungen. Diesmal ging es gut, aber kann man bei einem bereits 40 Jahre alten Reaktor erwarten, dass das immer der Fall sein wird? Darf man sich ohne große Not darauf verlassen, dass die Notstromaggregate schon funktionieren und auch ausreichend Treibstoff haben werden? Immerhin mussten sie die Notkühlung über vier Tage versorgen.
Zwischenzeitlich war zwar die Verbindung zum Netz am Sonntag vor einer Woche wieder hergestellt worden, brach dann aber schnell wieder zusammen, weil Eis in einen Transformator gefallen war. Auch das nicht gerade ein Vorfall, der Vertrauen schafft.
Die Laufzeitverlängerung, die das AKW im Mai 2012 bekommen hatte, ist auch unter dem Gesichtspunkt des Atommülls ziemlich bedenklich. Bisher werden alle abgebrannten Brennstäbe auf dem Betriebsgelände direkt am Meer gelagert. Die USA haben ebenso wie Deutschland kein funktionierendes Endlager. Das örtliche Zwischenlager ist inzwischen gefüllt und ein Neues im Bau. Eine Genehmigung wurde jedoch noch nicht beantragt.
Umweltschützer gehen derweil davon aus, dass die stärker werdenden Stürme und Sturmfluten den Betrieb von AKW und Zwischenlagern zunehmend riskanter machen. Immerhin ist „Nemo“ nach „Sandy“ der zweite Sturm mit historischen Ausmaßen binnen weniger Monate gewesen, der die Region traf.
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