Treibhausgasemissionen leicht gestiegen
In den letzten vier Jahren veharren die Emissionen in ewta auf dem gleichen Niveau. Nur die Haushalte tragen nennenswert zum Klimaschutz bei. Stromkonzerne verbrauchen mehr Kohle für ihre Exporte
Die deutschen Treibhausgasemissionen sind im letzten Jahr wieder leicht gestiegen, wie das Umweltbundesamt (UBA) heute bekannt gab. Demnach wurden 2012 814 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Hinzu kommen noch andere Treibhausgase, die in sogenannten CO2-Äquivalenten 117 Millionen Tonnen ausmachten. Zusammen wären das 931 Millionen Tonnen, 14 Millionen Tonnen oder 1,6 Prozent mehr als im vorhergehenden Jahr.
Damit wurden 2012 11,35 Tonnen pro Einwohner ausgestoßen. Berücksichtigt man die Aufnahmekapazitäten von Biosphäre und Ozeanen, dann sind nur etwas weniger als zwei Tonnen pro Erdbewohner und Jahr unbedenklich für das Klima. Alles was darüber hinausgeht, reichert sich in der Atmosphäre an und führt zu einer Erwärmung des globalen Klimas. Zum Vergleich: Laut UN-Statistik betrugen die jährlichen Pro-Kopf-Emissionen 2008 in Australien 26,08 Tonnen, im Jahre 2000 in Eritrea 0,21, in der Schweiz 2008 7,06 und in den USA ebenfalls 2008 22,22 Tonnen. In China betrugen die Pro-Kopf-Emissionen 2008 nach den Daten des Carbon Dioxide Information and Analysis Center 5,24 Tonnen und Indien im gleichen Jahr 1,47 Tonnen.
Interessant ist ein genauerer Blick auf die Emissionstrends in Deutschland, die eine UBA-Grafik offenbart (siehe Abbildung). Die Daten stammen aus dem Anfang des Jahres veröffentlichen Nationalen Inventarbericht. Die oben zitierten Angaben für 2012 sind vorläufig.
Demnach wurden die Emissionen zwischen 2005 und 2011 vor allem in einem Bereich gemindert: in dem der privaten Haushalte, wo sie um beachtliche 27,7 Prozent sanken. Das dürfte unter anderem der Tatsache zu verdanken sein, dass nach Angaben des UBA 2011 bereits 38 Millionen Tonnen CO2-Emissionen durch den Einsatz erneuerbarer Energieträger im Wärmesektor. Die Emissionen aus Verkehr (-2,5 Prozent), Industrie (-2,6 Prozent) und Energiewirtschaft (-7,4 Prozent, - 29 Millionen Tonnen), was vor allem die Kraftwerkswirtschaft ist, veränderten sich dagegen zwischen 2005 und 2008 nur relativ wenig.
Letzteres ist um so erstaunlicher, als 2011 nach UBA-Angaben im Energiesektor bereits 87 Millionen Tonnen CO2-Emissionen durch den Einsatz von erneuerbaren Energieträgern vermieden wurden. Im vergangenen Jahr dürften es aufgrund des rasanten Anstiegs der Solarenergienutzung sogar noch mehr gewesen sein.
Fragt sich, weshalb der Treibhausgasausstoß der Kraftwerke kaum zurückgeht? Eine Erklärung für 2012 liefert das UBA in seiner heutigen Mitteilung:
UBA
Ein weiterer Grund dürfte die zunehmende Ausfuhr von Strom sein. Insbesondere in den Niederlanden scheint der billige Braunkohlestrom aus dem Rheinland – kostengünstig wegen des Zusammenbruchs des Emissionshandels und dem Verzicht des Staates auf Einnahmen aus der Kohleförderung – seit einiger Zeit massiv die Erdgasverstromung zu verdrängen. Mit anderen Worten: Statt die Kraftwerke runter zu fahren, wenn viel Wind- und Sonnenstrom zur Verfügung steht, machen die deutschen Stromkonzerne lieber noch ein Schnäppchen im Ausland und sind dort eine gefährliche Konkurrenz für umweltfreundlichere Varianten der Stromproduktion.
UBA-Präsident Jochen Flasbarth ist derweil zwar zufrieden, dass die bisherigen Klimaschutzziele erreicht wurden, gibt allerdings zu bedenken: „Sorgen macht mir dennoch der Trend, wieder mehr Kohle zu verstromen.“ Daher sei eine Stärkung des europäischen Emissionshandel notwendig:
Jochen Flasbarth
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