e
Energie & Klima News

Handel von Emissionsrechten nach dem Kyoto-Protokoll ist schlecht für den Regenwald

Nach einer Studie profitieren Länder mit großen Regenwäldern und geringen Abholzraten nicht vom Emissionshandel.

  • drucken
  • versenden

Nach einer Studie amerikanischer, brasilianischer und südafrikanischer Wissenschaftler bietet das Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Klimaerwärmung für 10 Länder, in denen es 20 Prozent der noch intakten Regenwälder gibt, keine Anreize, diese zu bewahren. Vielmehr würden das Protokoll und andere Programme zur Neutralisierung von CO2-Verbrauch durch das Anpflanzen von Bäumen gerade die Abholzung der Wälder fördern und so Emission von Kohlendioxid verstärken.

In dem Beitrag No Forest Left Behind, der in der aktuellen Ausgabe von Public Library of Science Biology erschienen ist, gehen sie von den Ländern aus, in denen noch mindestens die Hälfte der ursprünglichen Wälder existiert und die Abholzungsrate gering ist als im Durchschnitt von 0,22 Prozent zwischen 1990 und 2000: Panama, Kolumbien, Kongo, Peru, Belize, Gabun, Guyana, Surinam, Bhutan, Sambia und Französisch Guyana. Dies Länder hätten nicht wirklich etwas zu verkaufen, weil hier die Abholzung nicht stark genug gewesen ist, sagen die Wissenschaftler. Sie würden Emissionsrechte erst lukrativ verkaufen können, wenn sie ihre Abholzrate erhöhen und dann deckeln.

Die Wissenschaftler schlagen deshalb vor, auch präventive Emissionsrechte handeln zu können, wodurch die Erhaltung der Wälder eher verstärkt und die Ausbeutung verhindert würde. Bei 10 Dollar pro Tonne CO2 für einen Referenzwert für die Emission von einem Drittel des globalen Durchschnitts der Abholzungsrate würden die 11 Länder jährlich 365 Millionen Dollar an Emissionsrechten erhalten. Für den Referenzwert für die Hälfte des globalen Durchschnitts der Abholzungsrate würde der Betrag schon auf 630 Millionen ansteigen, bei der Zugrundlegung des globalen Durchschnitts lägen die Werte bei 1,8 Milliarden Dollar.

Präventive Emissionsrechte handeln zu können, würde auch Vorteile für Länder wie Brasilien und Indonesien mit sich bringen, in denen Regionen von großen Waldflächen bedeckt sind und sie geringe Abholzungsraten aufweisen. Daher sollten, so die Autoren, präventive Emissionsrechte ein wichtiger Bestandteil aller künftigen Abkommen zur Reduzierung der CO2-Emissionen sein. Überdies, so erläutert Russell Mittermeier, einer der Autoren der Studie, würden intakte Wälder Biodiversität oder Wasserqualität erhalten, aber eben auch direkt einen zusätzlichen Anstieg der CO2-Emissionen verhindern. 20 oder 25 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen würden nämlich durch die Vernichtung der Regenwälder verursacht: "Die Menschen sprechen viel über die Emissionen von Fahrzeugen und von der Industrie, von Biosprit und Recycling." Aber von der Abholzung der Wälder sei kaum die Rede, obgleich dies eine maßgebliche Rolle bei der Klimaerwärmung spiele.

http://www.heise.de/tp/blogs/2/94370
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS