Britischer Wissenschaftler geht davon aus, dass sich manche Wendepunkte wie das Abschmelzen des Grönlandeises früher und schneller als erwartet ergeben könnten.
Zusammen mit Umweltminister Gabriel ist Bundeskanzlerin Merkel nach Grönland gereist, um sich „aus erster Hand über die Auswirkungen des Klimawandels zu informieren“. In Grönland tauen etwa auf der Südseite die Gletscher ab, im Norden hingegen soll die Eisfläche wachsen. Nach dem letzten IPCC-Bericht wird es aber mindestens noch 1000 Jahre tauen, bis Grönland wieder eisfrei sein könnte.
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Nach dem britischen Geowissenschaftler Tim Lenton von der University of East Anglia ist das aber eine höchst konservative Annahme. Er geht nach seinen Berechnungen davon aus, berichtete er auf der Tagung "Natürliche Komplexitat" des British Antarctic Survey, dass das Eis auch schon in 300 Jahren abgetaut sein könnte: "Wir wissen, dass die Eisflächen in der letzten Eiszeit schneller zusammengebrochen sind, als die jetzigen Klimamodelle dies erfassen können. Daher sind unsere Modelle bekanntlich zu langsam", so Lenton. Ein weiterer Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur um 1 Grad Celsius könnte ein Überschreiten des Wendepunkts bzw. das Erreichen einer Bifurkation einleiten, wonach der Prozess des Abtauens unaufhaltsam wird und viel schneller als bislang erwartet erfolgen könnte. Wenn das Grönlandeis ganz schmelzen würde, stiege der Meeresspiegel um sieben Meter an.
Insgesamt wollen die Wissenschaftler acht solcher Wendepunkte, bei denen eine kleine Veränderung zu einem neuen Zustand eines Systems mit unvorhersagbaren Folgen führen kann, ausgemacht haben, die sich in diesem Jahrhundert ergeben können. Dabei könne es auch einen Domino-Effekt geben, so dass ein Ereignis ein anderes oder mehrere weitere auslöst. Lenton zählt zu diesen möglichen Wendepunkten das Abtauen des westantarktischen Eisschilds, das ebenfalls den Meeresspiegel um einige Meter steigen ließe, die Zerstörung des amazonischen Regenwalds, den Zusammenbruch der thermohalinen Zirkulation, was zum Ende des Golfstroms führen könnte, das Grünwerden der Sahara, der Kollaps des indischen Sommermonsuns, die Veränderung des El-Nino-Phänomens oder das Verschwinden des nördlichen Nadelwaldgürtels.
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