Müssen die Strompreise wirklich steigen, um das Klima zu schützen?
Er fände es gar nicht gut, beschwerte sich unlängst auf dem Podium der norddeutschen Klimakonferenz „Küstenpower“ in Kiel ein Greenpeace-Mann, dass die Verbraucherverbände billigeren Strom fordern. Energie müsse teurer werden, damit die Leute sparen. Das ist das alte Mantra der Umweltschutzbewegung. In Zeiten von Hartz IV und sinkenden Reallöhnen haben derlei Statements allerdings eine zynische Note und beweisen zugleich mangelndes politisches Fingerspitzengefühl. Mögliche Bündnispartner in Gewerkschaften, Sozialverbänden und Verbraucherschutzorganisationen stößt man auf diese Art vollkommen unnötig vor den Kopf.
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Tatsächlich kann sich ein größer werdendes Segment der Bevölkerung nichts anderes leisten als das „billig-billig“, über das sich der Greenpeace-Campaigner beklagte. Gleichzeitig haben diese Menschen wegen ihrer geringen Mittel noch weniger Einfluss auf ihren Energieverbrauch als andere: Sie wohnen zur Miete und sind darauf angewiesen, dass ihr Vermieter das Haus mit einer Wärmeisolierung versieht (was meistens unterbleibt). Und ihnen fehlt es oft am nötigen Geld, um sich energiesparende Neuanschaffungen (Kühlschrank) leisten zu können.
Hier könnte eine soziale Umweltschutzpolitik ansetzen, wie sie zum Beispiel bei ATTAC diskutiert wird: Bisher werden Großabnehmer mit Billig-Preisen begünstigt, während Privathaushalte für die Kilowattstunde deutlich mehr auf den Tisch legen müssen. 2005 zahlten nach Angaben des Statistischen Bundesamtes Private durchschnittlich 14,71 Cent pro Kilowattstunde. („Das ist ein Plus von 30,6% gegenüber 2000“, hieß es Anfang des Jahres in einer Pressemitteilung der Statistiker). Großabnehmer haben zur gleichen Zeit im Durchschnitt 7,21 Ct/KWh gezahlt.
Diese Logik, die den Verbrauch großer Mengen Energie belohnt, ließe sich umkehren: Jedem Bürger wird eine Grundversorgung von, sagen wir, 1000 Kilowattstunden im Jahr zu einem sehr günstigen Preis (vier Ct/KWh?) angeboten. Der darüber hinaus gehende Verbrauch müsste deutlich teurer bezahlt werden, möglichst progressiv gestaffelt. Ein Bonus für Singlehaushalte und andere soziale Feineinstellungen sind denkbar. Für gewerbliche Abnehmer müsste die Progression an Betriebsgröße, Art der Produktion und ähnlichem angepasst sein. Interessant wäre sicherlich, wenn sich die Preisgestaltung an einem best-praxis-Standard orientieren würde, der vom jeweils energieeffizientesten Verfahren der jeweiligen Branche gesetzt würde und entsprechend dynamisch sein müsste. Das würde einen zusätzlichen Anreiz zur zügigen und fortlaufenden Modernisierung der Produktion schaffen.
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