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Post aus Uganda

Ein kurzer Bericht eines Augenzeugen zum besseren Verständnis einer Krise

Vor 3 Wochen schrieb ich an eine alte Freundin aus den USA, die mit ihrem Mann als Entwicklungshelfer in Uganda arbeitet. Ich pflege immer Bekannte anzuschreiben, die in einem Gebiet wohnen, das von einer Krise erfasst wird. Meine Freunde in den USA antworten meistens: "Was, über den Wandbrand in Colorado [o.ä.] wird in Deutschland berichtet?"

Meine Freundin in Uganda antwortete jedoch nicht. Auch eine gemeinsame dritte Freundin wusste nichts von ihrem Verbleib. Am Wochenende kam aber eine Antwort, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Man liest viele Statistiken und hört viele Hilfsappelle, aber meistens fehlt der Bezug zu den Menschen, die die Katastrophe gerade durchmachen. Und was allen Berichten im Fernsehen und Print fehlen, ist der Gestank - das, was einen unmittelbar überfällt bei solchen Ereignissen: der Ekel. Meine Freundin schreibt:

"Ich unterrichte Englisch an der Schule von meinem Sohn. Eines Tages holte ich ihn mittags ab, weil er Fieber hatte. Ich wollte noch unsere 3-jährige Tochter 1 km weiter weg abholen, als ein Sturm losbrach. Der Regen war sintflutartig, dann fing es an zu hageln. Wir blieben im Auto sitzen und hofften, dass alles so schell vorbeigehen würde, als es gekommen war. Dann bemerkte ich, wie die Strasse voll lief. Das Wasser stieg so schnell, das es mir nicht gelingen würde, aus dem Land Cruiser zu steigen, über den 1m breiten Strom aus Müll neben dem Auto zu springen, und in die Schule reinzulaufen. Ich fuhr zur Tankstelle und rief die Schule an, wir würden kommen, wenn der Regen aufhört und die Strasse wieder frei war. Aber der Regen hörte nicht auf, und mein Sohn hatte mehr als 40° C Fieber, weshalb ich auf einer anderen Strasse heimfuhr. Unsere Tochter habe ich erst 2 1/2 Stunden später abholen können, und selbst dann musste ich erst einen Weg suchen, um überhaupt ins Gebäude hineinlaufen zu können. Dann brachte ich sie heim und durfte den Abfall und Dreck aus der überlaufenen Kanalisation von ihr abwaschen.

Die Lage ist schrecklich für viele Menschen in Uganda. Die Häuser (Baracken aus Lehm und Zweigen, manchmal Beton) sind hinweggespült worden, es gibt teilweise keine Brücken mehr, und die Strassen, die vorher nur schlecht waren, sind heute unpassierbar, wo man sie überhaupt noch erkennt. Die Felder verrotten, wo sie nicht weggespült worden sind, die Wasserversorgung und Abwassersysteme sind kaum noch funktionsfähig. Die Menschen hier werden verhungern oder noch mehr an Krankheiten sterben, als dies schon geschieht."

Und, fügt sie hinzu: "Die einzigen, die mir geschrieben haben, sind meine Freunde in Europa. Entweder die Amerikaner kriegen gar nichts mit, oder sie sind nicht besorgt - ich weiß es nicht"

Craig Morris15.10.2007
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