Guyana will seinen Regenwald loswerden
Die Guyana-Region ist dreigeteilt: In die ehemalige Kolonie britisch Guyana, das frühere niederländisch Guyana, das heute Surinam heißt, und französisch Guyana, wo die EU-Bananen herkommen. 1966 wurde der britische Teil unter dem Namen "Guyana" unabhängig, seit 1989 führt das Land einen bisher erfolglosen neoliberalen Kurs.
Der derzeitige Präsident, Bharrat Jagdeo, der der indischstämmigen Bevölkerungsmehrheit angehört, machte der britischen Regierung nun über den Independent ein außergewöhnliches Angebot:
Ein internationales Gremium unter britischer Führung soll ein ca. 170.000 Quadratkilometer großes Stück Regenwald verwalten. Als Modell schwebt dem Präsidenten das existierende Schutzgebiet Iwokrama vor – mit Ökotourismus, Schmetterlingsfarmen und als Wildhüter angestellten Makushi-Indianern.
Das betroffene Regenwaldgebiet ist fast so groß wie das Vereinigte Königreich. Früher war es so unzugänglich, dass dorthin entlaufene Sklaven eigene Kleinstaaten bilden und afrikanische Sprach- und Kulturelemente pflegen konnten. Heute gibt es dank moderner Technologie auch für diese Gebiete Interessenten, die sich für den Abbau von Holz und Bodenschätzen interessieren. Dieser Abbau hat allerdings den Nachteil, dass er in solch wirtschaftlicher Weise durchgeführt wird, dass dort, wo vorher Regenwald stand, nachher keiner mehr steht. Das wiederum bedeutet eine Externalisierung von Kosten zu Lasten des Weltklimas, weil die nicht mehr vorhandenen Bäume kein Kohlendioxid mehr absorbieren können. Wenn sie abgebrannt werden, setzen Regenwälder auch beträchtliche Mengen an Kohlendioxid frei - man schätzt, dass etwa 1/5 des weltweiten Ausstoßes auf dieses Konto gehen.
Was Guyana sonst von Konzernen für die Ausbeutung von Holz und Bodenschätzen bekommen würde, dass will Jagdeo von der britischen Regierung: Als Ausgleich für die Verwaltungsrechte soll Großbritannien Guyana finanzielle Hilfen für die Entwicklung einer "nachhaltigen" Ökonomie zahlen.
Jagdeo bemerkte, dass der Markt derzeit keinen Anreiz biete, den Regenwald zu schützen, weshalb er staatlich geschützt werden müsse. Guyana allein könne das nicht leisten, weshalb das Land einen "Partner" suche: "Wir können den Regenwald gegen die Erderwärmung einsetzen und mit der Unterstützung Großbritanniens müssten wir damit nicht die Entwicklung Guyanas hindern."
Ob das Angebot dem sparsamen Schotten an der britischen Regierungsspitze schmecken wird ist allerdings fraglich: Der Handel brächte zwar Anfangs etwas PR-Gewinn, aber zu den Hilfen für die Wirtschaft Guyanas, die sich leicht als Fass ohne Boden entpuppen könnten, kämen möglicherweise auch erhebliche Kosten für den "nachhaltigen" Betrieb des Regenwaldes. Riskant wäre die Sache unter anderem auch deshalb, weil die Zugehörigkeit des Gebietsteils, der westlich des Essequibo-Flusses liegt, zwischen Guyana und Venezuela umstritten ist - was Großbritannien in einen potentiellen Konflikt mit dem kolonialismusempfindlichen Hugo Chávez treiben könnte. Die Gebietsstreitigkeiten mit Surinam, die vor sieben Jahren in bewaffneten Auseinandersetzungen um eine Ölplattform gipfelten, wurden dagegen im September dieses Jahres mit einem Teilungskompromiss beigelegt.
Vegetation in Guyana. Bild: CIA
|