Kleinkinder freunden sich mit Roboter an
Mit dem humanoiden Roboter QRIO intensivierten sich die Beziehungen der Kinder mit dem Roboter über längere Zeit hinweg.
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| Ein Kind umarmt QRIO. Bild: Fumihide Tanaka |
Fumihide Tanaka und seinem Team von der University of California in San Diego haben für ihre Studie, die in den Proceedings of the National Acadmies of Sciences (PNA) erschienen ist, den von Sony gebauten "sozialen" Roboter QRIO (Quest for cuRIOsity) verwendet. Der etwa einen halben Meter hohe humanoide Roboter kann sprachen, Stimmen und Gesichter erkennen und sich so an diese und an ihre Vorlieben und Abneigungen erinnern, er kann gehen, tanzen, sitzen, seine Arme bewegen und kichern. Für die Studie erhielt der Roboter auch Anweisungen von einem Menschen. Gefilmt wurden Kleinkinder im Alter zwischen 18 und 24 Monaten in 45 Sitzungen mit einer Länge von jeweils 50 min, wie sie sich gegenüber QRIO verhielten. Nach 50 min gehen nämlich die Batterien des Roboters zur Neige und er legt sich schon mal schlafen. Eines der Ziele war, ob mit dem "sozialen" Roboter die häöufig beobachtete 10 Stunden-Schwelle übersprungen werden kann. Dann finden Kinder normalerweise spätestens einen Roboter langweilig.
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| QRIO wurd von Sony nicht weiter entwickelt. Bild: Sony |
In 27 Sitzungen nutzte der Roboter seine gesamten Verhaltensmöglichkeiten. Hier nahm die Qualität der Interaktionen zwischen den Kindern und dem Roboter kontinuierlich zu, besonders ab der 11. Sitzung, als der Roboter sicht- und hörbar auf die Kinder zu reagieren schien, was bis dahin nicht so recht geklappt hatte. Besonders gefördert wurde die Kontaktaufnahme, als der Roboter bei einer Berührung des Kopfes zu kichern begann. In einer zweiten Serie von Sitzungen verloren hingegen die Kinder allmählich das Interesse, da hier der Roboter so programmiert wurden, dass er zufällig ("spontan") oder nach einer vorgegebenen Choreographie tanzte. Das Interesse erwachte aber schnell wieder, als wieder direkt auf die Kinder zu reagieren schien.
Zum Schluss, so die Wissenschaftler, akzeptierten die Kinder den Roboter als "Mitmenschen". Berührten sie ihn etwa anfangs im Gesicht, so später wie bei anderen Menschen nur noch an seinen Händen und Armen. Zur Kontrolle wurde den Kindern auch immer ein Teddybär und ein unbewegter Roboter (Robby), der QRIO ähnlich sieht, gegeben. Während die Kinder zuvor mit dem Teddybär gerne spielten und ihn knutschten, beachteten sie ihn in Anwesenheit von QRIO gar nicht mehr. Robby wurde hingegen wie ein Ding oder als eine Art Ersatz für QRIO behandelt, im Verlauf der Sitzungen interessierte auch er immer weniger.
Im Unterschied zu früheren Beobachtungen des Umgangs von Kindern mit Robotern verloren die Kinder nicht das Interesse, sondern verbesserten sich die Beziehungen, schreiben die Wissenschaftler. Zunehmend hätten sie ihn mehr als Kameraden behandelt denn als Spielzeug. Er sei Teil der "sozialen Ökologie" geworden, die aus Lehrern, Eltern, Kleinkindern und Wissenschaftlern bestand. Wichtig seien die Berührungen gewesen, die auch ein Indiz für die soziale Verbundenheit darstellen. Jetzt wollen die Wissenschaftler Tests mit autonom agierenden menschenähnlichen Robotern durchführen, deren Design aufgrund der gemachten Erfahrungen und den Hinweisen auch der Kinder entwickelt werden soll.
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