m
10.12.2007Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Kleinkinder freunden sich mit Roboter an

Mit dem humanoiden Roboter QRIO intensivierten sich die Beziehungen der Kinder mit dem Roboter über längere Zeit hinweg.

  • drucken
  • versenden

Ein Kind umarmt QRIO. Bild: Fumihide Tanaka
Kleinkinder kommen mit Robotern nicht nur gut aus, sie akzeptieren sie auch als Freunde. Das sind gute Nachrichten für die Robotik und für all jene, die in Robotern nicht nur Diener, sondern auch die künftigen "Mitmenschen" sehen.

Fumihide Tanaka und seinem Team von der University of California in San Diego haben für ihre Studie, die in den Proceedings of the National Acadmies of Sciences (PNA) erschienen ist, den von Sony gebauten "sozialen" Roboter QRIO (Quest for cuRIOsity) verwendet. Der etwa einen halben Meter hohe humanoide Roboter kann sprachen, Stimmen und Gesichter erkennen und sich so an diese und an ihre Vorlieben und Abneigungen erinnern, er kann gehen, tanzen, sitzen, seine Arme bewegen und kichern. Für die Studie erhielt der Roboter auch Anweisungen von einem Menschen. Gefilmt wurden Kleinkinder im Alter zwischen 18 und 24 Monaten in 45 Sitzungen mit einer Länge von jeweils 50 min, wie sie sich gegenüber QRIO verhielten. Nach 50 min gehen nämlich die Batterien des Roboters zur Neige und er legt sich schon mal schlafen. Eines der Ziele war, ob mit dem "sozialen" Roboter die häöufig beobachtete 10 Stunden-Schwelle übersprungen werden kann. Dann finden Kinder normalerweise spätestens einen Roboter langweilig.

QRIO wurd von Sony nicht weiter entwickelt. Bild: Sony

In 27 Sitzungen nutzte der Roboter seine gesamten Verhaltensmöglichkeiten. Hier nahm die Qualität der Interaktionen zwischen den Kindern und dem Roboter kontinuierlich zu, besonders ab der 11. Sitzung, als der Roboter sicht- und hörbar auf die Kinder zu reagieren schien, was bis dahin nicht so recht geklappt hatte. Besonders gefördert wurde die Kontaktaufnahme, als der Roboter bei einer Berührung des Kopfes zu kichern begann. In einer zweiten Serie von Sitzungen verloren hingegen die Kinder allmählich das Interesse, da hier der Roboter so programmiert wurden, dass er zufällig ("spontan") oder nach einer vorgegebenen Choreographie tanzte. Das Interesse erwachte aber schnell wieder, als wieder direkt auf die Kinder zu reagieren schien.

Zum Schluss, so die Wissenschaftler, akzeptierten die Kinder den Roboter als "Mitmenschen". Berührten sie ihn etwa anfangs im Gesicht, so später wie bei anderen Menschen nur noch an seinen Händen und Armen. Zur Kontrolle wurde den Kindern auch immer ein Teddybär und ein unbewegter Roboter (Robby), der QRIO ähnlich sieht, gegeben. Während die Kinder zuvor mit dem Teddybär gerne spielten und ihn knutschten, beachteten sie ihn in Anwesenheit von QRIO gar nicht mehr. Robby wurde hingegen wie ein Ding oder als eine Art Ersatz für QRIO behandelt, im Verlauf der Sitzungen interessierte auch er immer weniger.

Im Unterschied zu früheren Beobachtungen des Umgangs von Kindern mit Robotern verloren die Kinder nicht das Interesse, sondern verbesserten sich die Beziehungen, schreiben die Wissenschaftler. Zunehmend hätten sie ihn mehr als Kameraden behandelt denn als Spielzeug. Er sei Teil der "sozialen Ökologie" geworden, die aus Lehrern, Eltern, Kleinkindern und Wissenschaftlern bestand. Wichtig seien die Berührungen gewesen, die auch ein Indiz für die soziale Verbundenheit darstellen. Jetzt wollen die Wissenschaftler Tests mit autonom agierenden menschenähnlichen Robotern durchführen, deren Design aufgrund der gemachten Erfahrungen und den Hinweisen auch der Kinder entwickelt werden soll.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/100291
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS