Erneut Leukämie-Erkrankung nach Gentherpie
Bei den anderen der mit Krebstherapie wegen der schweren Immunschwäche X-SCID 14 behandelten Kinder in einer britischen Versuchsreihe hat sich das Immunsystem hingegen erfolgreich wiederhergestellt.
Nach einer Gentherapie ist ein dreijähriger Junge in Großbritannien wie andere Kinder zuvor in FRankreich an Leukämie erkrankt. Der Junge ist eines von insgesamt 10 Kindern, die in Großbritannien an einem Versuch zur gentherapeutischen Behandlung der X-chromosomalen kombinierten Immunschwäche (Severe Combined Immunodeficiency Disorder, X-SCID) teilnehmen. Durch die nur Jungen treffende Erbkrankheit fällt das Immunsystems weitgehend aus, weswegen due Betroffenen nur in einer keimfreien Umgebung leben können und deshalb auch "bubble boys" genannt werden.
Bislang gibt es nur eine Stammzelltherapie, die aber für ein Drittel der Betroffenen nicht in Frage kommt. Überdies besteht ein wegen des funktionsuntüchtigen Immunsystems hohes Sterberisiko. Aus diesem Grund werden trotz der in Frankreich wegen der aufgetretenen Probleme abgebrochenen Gentherapieversuche weiter Hoffnungen auf die Gentherapie gesetzt. Für den Jungen hätte es zwar einen Spender gegeben, die Eltern hatten sich jedoch wegen der Risiken der Stammzelltherapie für Gentherapie entschieden.
Der Junge hatte ab Ende 2005 im Great Ormond Street Hospital an dem Gentherapie-Programm teilgenommen. Dabei werden den Kindern Stammzellen aus ihrem Knochenmark entnommen. In diese wurde mit einem genveränderten Retrovirus die korrekte Version des für die Immunschwäche verantwortlichen Gens eingebracht. Die derart veränderten Stammzellen werden den Kindern dann wieder in der Hoffnung injiziert, dass dadurch allmählich das Immunsystem aufgebaut wird. Bei dem Jungen hätte sich das Immunsystem gut erholt gehabt, bis im letzten Monat Leukämie diagnostiziert wurde, die von der Gentherapie verursacht wird.
Man nimmt an, dass die Ursache der in die Stammzellen eingeschleuste Retrovirus ist. An Tierversuchen sei bereits ein anderer Virusvektor zum Einschleusen des Gens getestet worden, der angeblich nicht das Risiko einer Leukämie-Erkrankung mit sich bringt. In nächsten Jahr wollen die britischen Ärzte mit diesem anderen Virus eine neueVersuchsreihe starten.
Leukämie sei aber behandelbar, heißt es vom Krankenhaus. Die Heilungschance betrage 80 Prozent. Überdies sei keines der insgesamt 14 anderen Kinder, die mit Krebstherapie für X-SCID behandelt wurden, an Leukämie erkrankt, während bei allen das Immunsystem wieder hergestellt werden konnte. In Frankreich hatten 4 der 11 Kinder Leukämie nach der Gentherapie erhalten, eines ist gestorben. (fr)
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