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14.06.2008Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Nach der Internetsucht kommt die Handysucht

In Spanien wurden erstmals zwei Kinder klinisch wegen Handysucht behandelt.

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In Spanien werden erstmals zwei Jugendliche in einer Klinik behandelt, um sie von der Handy-Sucht zu befreien. Die Kinder im Alter von 12 und 13 Jahren konnten angeblich kaum mehr normalen Aktivitäten ausüben, ohne ihre Handys zu benutzen und an die Kommunikation angeschlossen zu sein. 5-6 Stunden täglich hätten sie ihre Handys benutzt. Das Geld für ihre Aktivitäten hatten sie teils durch Lügen von ihren Großeltern oder anderen Familienangehörigen erhalten. Eineinhalb Jahre vor der Behandlung hatten sie von ihren Eltern die Handys erhalten und konnten damit lange Zeit unkontrolliert ihrer "Sucht" nachgehen, bis es offenbar den Eltern dann doch zu viel wurde.

Gekommen sind sie in das Centro de Salud Mental Infantil y Juvenil in Lleida wegen ihrer extremen Abhängigkeit von Instant Messaging, sagt Direktorin Maité Utgés, es habe sich aber herausgestellt, dass sie auch vom Handy abhängig seien. Das Verhalten von beiden sei gestört gewesen, in der Schule versagten sie, sie hätten sich isoliert und Schwierigkeiten mit emotionalen und sozialen Beziehungen gehabt. Behandelt wurden sie neben einzel- und familientherapeutischen Sitzungen mit vollständigem Entzug des Handys über drei bzw. sieben Monate. Es gehe aber nicht darum, sie von der Technik abzuhalten, sondern ihnen einen normalen Umgang mit ihr zu ermöglichen. Therapien können ein bis zwei Jahre dauern.

Carme Telle, ein Psychologe der Klinik, meint, dass eine solche Abhängigkeit häufiger vorkomme, als man denke. In der Klinik werden 20 Jugendliche wegen Internetsucht behandelt, 17 wegen ihrer von Instant Messaging. El Mundo sagt, die spanische Antidrogenbehörde gehe davon aus, dass 10 Prozent der Jugendlichen in Madrid vom Internet oder vom Handy abhängig seien. Die ersten Problemfälle seien 2005 aufgetreten.

Der Suchtexperte José Martínez Raga meint, womit er vermutlich richtig liegt, dass die Kinder und Jugendlichen, die in Behandlung kommen, nur die "Spitze des Eisbergs" darstellen würden. Allerdings ist das eine die wie immer auch vorhandene Abhängigkeit von technisch vermittelter Kommunikation und das andere die gesellschaftliche, von durchaus davon profitierenden Experten forcierte Durchsetzung einer neuen Norm, die ein Verhalten als negative Sucht herausstellt (was meist damit zu tun, gesellschaftlich das Risiko zu laufen zu versagen). Wer also Glück mit seiner Sucht hat und erfolgreich ist, braucht auch die Stigmatisierung nicht zu fürchten.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/109447
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