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06.07.2008Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Darpa will Gedankenlesen

Mit einem "neuro-optischen System" sollen Gefahren schneller erkannt werden.

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Die Darpa, die Forschungsbehörde des Pentagon, hat einem vom Rüstungskonzern Northrop Grumman geleiteten Konsortium den Auftrag zur Entwicklung eines Prototyps für ein Warnsystem erteilt, das Soldaten mit sich führen können.

Bei dem gewünschten Cognitive Technology Threat Warning System (CT2WS) geht es allgemein darum, Informationen über Sensoren zu sammeln und dem Gehirn zugänglich zu machen, um dann die neuronalen, aber (noch) nicht bewussten Kapazitäten der Gefahrenentdeckung auszubeuten und dem Soldaten zugänglich zu machen. Man will also technisch im Gehirn lesen und nimmt an, dass die unbewussten neuronalen Prozesse schneller und besser möglicherweise gefährliche Veränderungen in der Umgebung detektieren können, als dies der bewussten Aufmerksamkeit der Soldaten möglich ist.

Entwickelt werden soll ein "neuro-optisches System" auf der Grundlage einer von Northrop Grumman bereits konzipierten Technik. Das Hornet-System (Human-aided Optical Recognition/Notification of Elusive Threats) basiert auf einem Helm, der mit EEG-Elektroden ausgestattet ist, um die Gehirnwellen des Benutzers zu erfassen. Das dazu gehörige Programm wird anhand der neuronalen Reaktionen auf An- oder Abwesenheit von Gefahren trainiert, um dann im Einsatz den Benutzer auf mögliche Gefahren hinzuweisen.

Zwar ist das sensorische neuronale System mit der bewussten Aufmerksamkeit verbunden, die Idee hinter der zusätzlichen technischen Verbindung dürfte wohl sein, dass die Aufmerksamkeit aufgrund neuronaler Kapazitätsgrenzen äußerst selektiv arbeitet und daher das Meiste, was vom sensorischen System rezipiert und verarbeitet wird, im Dunklen belässt. Falls also etwas gesehen, gehört oder gerochen wird, was einmal mit Gefahr konnotiert war, aber ausgeblendet bleibt, weil der Soldat sich gerade auf anderes konzentrieren muss, könnte das technische Aufmerksamkeitssystem, das an sein Gehirn gekoppelt ist, ihn darauf aufmerksam machen. Das könnte vielleicht tatsächlich manchmal nützlich sein oder den Benutzer, wie Northrop Grumman sagt, einen zeitlichen Vorteil gegenüber einem Gegner verschaffen, das Grundproblem des Flaschenhalses der Aufmerksamkeit bleibt jedoch bestehen. Wenn sich die bewusste Aufmerksamkeit der signalisierten Gefahr zuwendet, muss sie anderes in den Hintergrund treten lassen, was zu neuen Gefährdungen führen kann. Es mag zwar eine gewisse Möglichkeit des kognitiven Multitaskings geben, aber sie bleibt prinzipiell beschränkt.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/110492
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