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Egalité, jamais

Französische Epidemiologen stellen fest, dass soziale Ungleichheit mit tödlichen Krebserkrankungen korreliert

Je weniger Bildung ein Franzose hat, desto größer ist - statistisch gesehen – sein Risiko, an einer Krebserkrankung zu sterben. Der Unterschied in der Krebs-Sterberate zwischen den Bildungsschichten vergrößert sich seit 1980 in einem bemerkenswerten Umfang.

Das ist auf eine knappe Formel gebracht, die Schlussfolgerung einer Untersuchung, die heute mittag in Frankreich veröffentlicht wurde. Wissenschaftler des nationalen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm) haben sich die Sterbestatistiken, die Aufschluss über Personen, die infolge einer Krebserkrankung gestorben sind, genauer angeschaut und einen Zusammenhang der Erkrankung mit dem Schul- bzw. Studienabschluss erkundet. Sie bauen damit auf eine Forschung auf, die in den 1980er zuerst auf die Existenz von sehr starken sozialen Ungleichheiten aufmerksam machten, die sich in den Aufzeichnungen zur Sterblichkeit der Bevölkerung zeigten.

Auch bei der aktuellen Auswertung solcher Daten von 1990 bis 1996 (spätere statistische Daten dürfen laut Le Monde noch nicht ausgewertet werden) bestätigte sich der Trend aus früheren Studien: Das Risiko, tödlich an Krebs zu erkranken, war für einen unter 65jährigen Mann mit geringer Schulbildung um das 2,29-fache höher – zwischen 1968 und 1974 lag dieser Faktor noch bei 1,52. Seither ist er stetig gestiegen.

Bei den Männern zeigen sich die "sozialen Ungleichheiten" nach den Beobachtungen der Epidemiologen Gwenn Menvielle und Daniéle Luce bei allen Arten des Krebses. Ausdrücklich ausgenommen werden aber: Grimmdarm-, Bauchspeicheldrüsen- und Blasenkrebs. Bei Krebserkrankungen der Atemwege bzw. Atemorgane - Krebs in der Mundhöhle, im Rachen, im Kehlkopf, in den Bronchien, in der Lunge - war das Mortalitätsrisiko für Männer mit den niedrigsten Schulabschlüssen drei- bis viermal so hoch.

Die naheliegende Erklärung: In dieser Schicht ist auch der Alkohol- und Tabakkonsum verbreiteter. Möglicherweise waren Sartre, Godard, Gainsbourgh, was die Konsumgewohnheiten angeht, doch keine typischen Vertreter ihrer Klasse.

Liberté toujours
Liberté toujours

Bei den Frauen zeigen sich die Ungleichheiten nicht ganz so drastisch. Besondere Aufmerksamkeit bekommt hier das Phänomen Brustkrebs, von dem besser gebildete Frauen laut Statistiken öfter befallen werden. Gleichzeitig aber haben sie auch die besseren Überlebensraten. Erklärt wird diese Auffälligkeit einmal damit, dass Frauen, die frühzeitig und oft schwanger werden besser gegen diese Krebskrankheit geschützt sind und dass andererseits Frauen mit besserer Bildung früher und öfter zu den Ärzten mit der besseren Ausbildung und der besseren Ausstattung gehen.

Ähnlich wie dem unermüdlichen Interpreten von nationalen Statistiken, dem Soziologen Eric Maurin (siehe Die "Gettoisierung" der europäischen Gesellschaften) geht es der Leiterin der Studie, Gwenn Menvielle, darum, die Solidarität der Gesellschaft als bedrohtes Ziel herauszustellen.

Thomas Pany02.09.2008
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Kommentare lesen (28 Beiträge)
Unsinn
Nein danke!
Du steckst in einer ideologisch-selbstreferentiellen Schleife fest!

 
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