Die Guten ins Töpfchen, ...
Negative Resultate aus Arzneimittel-Studien werden nur widerwillig veröffentlicht
Ein Team von Wissenschaftlern hat die Publikationsgeschichte jedes in den USA zwischen 1989 und 2000 zugelassene Medikament rekonstruiert und ist zu einem mehr oder minder überraschenden Ergebnis gekommen: Studien, die auf eine Ineffektivität eines Arzneimittels hinwiesen werden weitaus weniger häufig veröffentlicht als solche, die das Mittel als effektiv darstellen. Die Studie von Ida Sim und ihren Kollegen betritt Neuland, denn zum ersten Mal wurde die Gesamtheit aller über einen definierten Zeitraum genehmigten Arzneimittel untersucht.
Zwischen 1998 und 2000 hatten Hersteller insgesamt 909 Wirkstoffe bei der us-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA eingereicht. 90 davon wurden später genehmigt. Über 515 (57%) dieser Wirkstoffe fand sich bis fünf Jahre später kein Wort in irgendeinem der weltweiten Fachmagazine. Unklar ist, ob die Studie den Fachblättern erst gar nicht vorgelegt oder aber von diesen nicht angenommen wurden. In einem Interview sprach Ida Sim aber davon, dass sie davon ausgehe, dass eine Mehrzahl nie vorgelegt wurde.
Durch die Veröffentlichungsstrategie von Pharma-Unternehmen und Wissenschafts-Journalen sah sich der Kongress im letzten Jahr genötigt, die Arzneimittelhersteller dazu zu verpflichten, alle Resultate ihrer Wirkstoffstudien auf einer regierungseigenen Webseite zu veröffentlichen. Dadurch gehen zwar keine negativen Studien mehr verschütt, eine Veröffentlichung in einem anerkannten Wissenschaftsmagazin ersetzt dies aber nicht. Denn hier sind Bedeutung und Verbreitung erheblich größer, weil Ärzte und Medien ihre Informationen aus diesen Magazinen beziehen.
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