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Fernsehen macht unglücklich

Zufriedene Menschen, so eine Studie von US-Soziologen, lesen lieber Zeitung und pflegen soziale Kontakte.

Jetzt wissen wir es endgültig. Fernsehschauer sind unglücklich. Das wollen zumindest Soziologen der University of Maryland herausgefunden haben, die für ihre Studie USA-weite Erhebungen zu sozialen Einstellungen sowie zu Zeitbudgets von 30.000 Menschen über einen Zeitraum von 30 Jahren (1975-2006) ausgewertet haben. Danach schauen unglückliche oder unzufriedene Menschen länger in die Glotze, während die "sehr glücklichen" Personen mehr lesen und längere Zeit für soziale Kontakte aufwenden.

Der Soziologe John Robinson meint: "Fernsehen scheint die Menschen wirklich nicht über längere Zeit so zufrieden zu stellen, wie dies durch soziales Engagement oder durch das Lesen einer Zeitung geschieht." Wie das etwa mit dem Internet ist, lässt sich der Studie leider nicht entnehmen. Fernsehschauen sei, so Robinson, passiver und biete größere Möglichkeiten, sich aus der Wirklichkeit flüchten – "vor allem dann", fügt er mit Blick auf die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise hinzu, "wenn die Nachrichtenlage so deprimiert ist wie die Wirtschaft."

Mehr noch, in Zeiten wie diesen könnte der Fernsehkonsum nach dem Soziologen noch drastisch wachsen. Man habe nämlich festgestellt, dass Arbeits- und Fernsehzeit negativ korrelieren. Wenn Menschen zunehmend mehr Zeit für sich zur Verfügung haben, steige auch der Fernsehkonsum. Allerdings würden dann auch die Schlafzeiten länger werden, so dass bei Arbeitsplatzverlust oder geringeren Arbeitszeiten neben dem Fernsehkonsum auch der Schlafanteil ansteigt.

Die glücklicheren Menschen sind sozial aktiver, gehen öfter in die Kirche, wählen öfter und lesen auch öfter Tageszeitungen, die unglücklichen Menschen fernsehen hingegen bis zu 20 Prozent mehr, auch wenn man Bildung, Alter, Einkommen, Geschlecht und andere Faktoren berücksichtigt, die sich auf Zufriedenheit und Fernsehschauen auswirken können. Zudem haben unzufriedene Menschen eher das Gefühl, mehr Zeit, als sie wollen zur Verfügung zu haben, gleichzeitig fühlen sie aber zeitlich auch eher wieder unter Druck.

Fernsehen sei eine Art Sucht, sagen die Soziologen. Es führe kurzzeitig zu Zufriedenheit, langfristig aber zu Elend, vor allem wenn die Menschen sozial oder persönlich benachteiligt sind. Überdies ist die Belohnung durchs Fernsehen leicht zu haben. Man muss nirgendwohin gehen, nichts ausmachen, sich anziehen oder sich anstrengen, um sofort zufreidengestellt zu werden: "Man kann verstehen, warum die Amerikaner mehr als die Hälfte ihrer Freizeit als Fernsehzuschauer verbringen", sagen die Soziologen. Ungelöst scheint allerdings zu sein, ob nun die Unzufriedenen eher vom Fernsehen angezogen werden oder ob Fernsehen auch an sich Zufriedene ins Unglück stürzen kann.

Florian Rötzer16.11.2008
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