Haben intelligente Männer bessere Spermien?
Wissenschaftler wollen einen kleinen, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen Intelligenz und Spermienqulität festgestellt haben - oder so ...
Wissenschaftler vom Institute of Psychiatry am King's College London wollen mit Kollegen von anderen Instituten herausgefunden haben, dass intelligente Männern qualitativ bessere und zahlreichere Spermien produzieren.
Wie sie in ihrem Artikel, der in der Zeitschrift Intelligence online erschienen ist, schreiben, habe man noch nicht erforscht, ob Intelligenz eine mit Fitness zusammenhängende Eigenschaft ist, während man bereits herausgefunden habe, dass allgemeine Intelligenz mit wichtigen gesundheitlichen Merkmalen wie dem Herz-Kreislauf-System und der Lebenserwartung zu tun habe.
Wie viele andere Forschungsarbeiten, die in der Zeitschrift präsentiert werden und Intelligenz mit irgendwelchen anderen Phänomenen zusammenbringen, haben die Wissenschaftler einmal nachgeschaut, ob es zwischen Intelligenz und Spermienqualität eine Korrelation gibt. Ausgangspunkt war die Hypothese, dass kognitive Fähigkeiten mit zahlreichen Eigenschaften, die mit Fitness zusammenhängen, verbunden sein könnten, auch mit solchen, die erst einmal keine Korrelation zu haben scheinen. Nach dieser Forschungshypothese könnte man, bösartig gesagt, auch nach einem Zusammenhang zwischen Intelligenz und Haarwachstum, Zustand der Zähne oder Käsefüßen suchen. Alles ist möglich.
Für ihre Studie haben sie 425 ehemalige US-Soldaten untersucht, die am Vietnam-Krieg teilgenommen hatten. Hier habe sich gezeigt, dass die Männer, die besser bei Intelligenztests abschnitten, auch eine bessere Qualität von Spermien in drei Hinsichten haben: eine hohe Konzentration an Spermien, mehr Spermien und solche mit einer besseren Beweglichkeit. Der Unterschied sei nicht groß, aber dennoch statistisch signifikant und zeige sich unabhängig vom Alter und vom Lebensstil, auch von ungesunden Gewohnheiten wie dem Konsum von Alkohol oder Zigaretten.
Das hieße, wenn es tatsächlich den Zusammenhang zwischen höherer Intelligenz und besserer Spermienqualität geben sollte, dass sich die Intelligenten besser reproduzieren könnten, wenn sie dies denn wollen, während die "Dummen" geringere Chancen haben, Nachfahren zu bekommen.
Nach den Wissenschaftlern legt das Ergebnis nahe, dass es – theoretisch – nicht nur eine koevolutionär gewachsene Verbindung zwischen Gehirn und Hoden geben könnte, wie dies Mitautor Allan Pacey von der University of Sheffield sagt, sondern dass es einen den Phänotyp umfassenden Fitnessfaktor geben könnte, der Gesundheit und Intelligenz verknüpft. Das erinnert an "mens sana in corpore sano" und ist aufgrund des mageren Ergebnisses wohl ebenso spekulativ.
Pacey erklärt allerdings, dass die "Verbesserung der Spermien mit der Intelligenz", wie sie in ihrer Studie festgestellt wurde, so klein ist, weswegen es unwahrscheinlich sei, "das dies einen großen Einfluss auf die Reproduktionsfähigkeit von Männern mit unterschiedlicher Intelligenz" hat. Der Eindruck stellt sich aber dann doch ein, dass Wissenschaft mitunter ähnlich aufmerksamkeitsökonomisch funktioniert, wie dies bei Medien der Fall ist: Zunächst wird eine Entdeckung verkündet, die sich dann aber zunehmend als Strohfeuer erweist: mediale Fitness?
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