Der Roboter, der Leichen frisst
Im Auftrag der Darpa will eine US-Firma einen autonomen Roboter entwickeln, der Biomasse suchen und zur Energieerzeugung verwerten kann.
Roboter sind zwar Maschinen. Aber auch Maschinen können mit Energie betrieben werden, die aus biologischen Materialen oder Biomasse gewonnen wird. Könnten Roboter sich selbst das Biomaterial zur Energieversorgung holen und damit ihren Antrieb versorgen, wären sie ein Stück weit autonomer, als wenn sie ständig wieder aufgeladen oder anderweitig mit Energie versorgt werden müssen.
Natürlich wird schon länger besonders im militärischen Kontext geforscht, wie sich solche selbst versorgenden Roboter konstruieren ließen, die Gras, Blätter, Holz oder Abfall aufnehmen und zu Energie verarbeiten können. Das Pentagon finanziert beispielsweise die Enzwicklung eines solchen Roboters durch die Firma Robotic Technology. Der Energetically Autonomous Tactical Robot (EATR), soll "Energie aus Biomasse in der Umwelt (und anderen organischen Energiequellen) finden, erzeugen und extrahieren können, aber auch, wenn möglich, konventionelle und alternative Treibstoffe wie Benzin, Kerosin, Diesel, Gas, Kohle, Kochöl und Sonnenenergie verwenden können.
Dazu soll eine von Cyclone Power Technology entwickelte Technik verwendet werden, mit der in einer Verbrennungskammer organisches Material, aber auch jeder Treibstoff getrennt oder zusammen verbrannt wird. Damit wird Wasser in einem geschlossenen Kreislauf erhitzt, wodurch wiederum Strom erzeugt wird. 1,5-6 kg trockener Vegetation erzeugen 1 kWh, schreibt die Firma. Das reiche, um 2-8 Meilen zu fahren, eine Maschine 80 Stunden im Standby-Betrieb zu halten oder je nach Energiebedarf 6-75 Stunden laufen zu lassen. Mit 75 kg trockener Vegetation könne man 130 km fahren. Ob dann ständig weiter Biomasse gesucht und verwertet werden muss oder einmal gesammelte Biomasse mit sich geführt werden kann, was das Gewicht des Systems wieder erheblich erhöhen würde, bleibt im Dunklen.
Die EATR-Plattform könnte nicht nur Roboter bewegen, sondern auch viele andere Fahrzeuge und mobile Waffen oder technische Systeme mit Energie versorgen. Überhaupt soll der Roboter, wie die Firma wirbt, besonders klug sein, Bewusstsein und Gefühle, Fantasie und Vernunft haben: "The 4D/RCS architecture is particularly well suited to support adaptability and flexibility in an unstructured, dynamic, tactical environment. It has situational awareness, and it can perform as a deliberative or reactive control system, depending on the situation. The 4D/RCS is modular and hierarchically structured with multiple sensory feedback loops closed at every level. This permits rapid response to changes in the environment within the context of high-level goals and objectives." Es ist also schon eine wundersame Technik, die die Firma für das Pentagon entwickeln will.
Wie FoxNews ("It could be a combination of 19th-century mechanics, 21st-century technology - and a 20th-century horror movie") hervorhebt, könnte der taktische Roboter, sollte er einmal realisiert sein und kämpfend durch die Lande des Gegners ziehen, nicht nur pflanzliche Materialen suchen und verwerten, sondern auch Tiere oder Menschen, zumindest in Form von Leichen, die es allerdings auf den modernen Schlachtfeldern des asymmetrischen Krieges nicht mehr in der Fülle gibt, wie dies in früheren Kriegen der Fall war. Auch wenn Kampfroboter gegeneinander in den Krieg ziehen, wird die Ausbeute an Biomasse gering sein, was die autonomen Roboter, spinnt man den Faden weiter, womöglich dazu bringen könnte, Tiere und Menschen zu töten, um an Energie zu kommen.
Allerdings steht man bei Robotic Technology noch ganz am Anfang. EATR basiert nicht nur auf einem System, um aus Biomasse Energie zu erzeugen, sondern es muss die Biomasse suchen, erkennen, ergreifen, möglicherweise zerlegen und in die Verbrennungskammer einführen können. Alles ganz schön kompliziert. Der Biomasse oder Fleisch fressende autonome Roboter wird noch eine Weile brauchen, bevor er durch Weiden und Wälder seine Bahnen zieht und vielleicht auch schon mal auf Jagd geht.
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