m
14.08.2009Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Mikrowellenwaffe gegen Piraten?

Nachdem das Pentagon vor einem Einsatz der weniger tödlichen Waffe zurückschreckt, sucht man offenbar zivile Interessenten.

  • drucken
  • versenden

Seit Jahren wird darüber gerätselt, wo das Active Denial System (ADS), eine Mikrowellenwaffe, die große Schmerzen zufügt und als nichttödliche Waffe zur Kontrolle von Menschenmengen entwickelt wurde, eingesetzt wird. Seit dem Jahr 2000 wird das vom Rüstungskonzern Raytheon bereits in den 90er Jahren entwickelte System getestet. Gemunkelt wurde immer mal wieder von einem Einsatz im Irak, aber offenbar ist dem Militär die Waffe nicht ungefährlich genug, um den Schmerzstrahl im Ausland gegen Menschen zu verwenden, obwohl es ausgiebig an Menschen getestet wurde.

Der Rüstungskonzern hat das einstige Ungetüm inzwischen um ein Drittel verkleinert und ihm dem Namen Silent Guardian verpasst. Je nach Stärke und Parabolschirm lässt sich der Mikrowellenstrahl, der nur 0,4 mm in die Haut eindringen, aber unerträgliche Schmerzen ohne längerfristige Folgen ausüben soll, 250 (30 KW) oder 750 Meter (100KW) verschicken. Die Zielgenauigkeit ist nicht allzu groß. Bei einer Entfernung von 250 Meter kann der Ober- oder Unterkörper angezielt werden, bei 750 Meter der ganze Körper. Das könnte dann schon auch einmal in die Augen gehen. Gefährlich wird es auch, wenn der Strahl länger auf einer Stelle bleibt. Ein britischer Journalist durfte einmal einen Selbsttest durchführen und beschrieb die Wirkung so: "Es ist ein bisschen so, als würde man einen rot glühenden Draht anfasse, bloß dass es keine Hitze gibt, sondern nur das Gefühl von Hitze. Es gibt keine Brandmarke oder Blase."

silent guardian.jpg Vergrößern
Aus der Nato-Präsentation von Raytheon

Angeblich hat der Konzern nun endlich einen zivilen Abnehmer gefunden. Das behauptet er jedenfalls in einer Präsentation für die Nato vom Juni diesen Jahres. Und deutlich wird auch, an welche Einsatzbereiche man im Augenblick denkt: an die Bekämpfung von Piraten bzw. an den Schutz von Schiffen. Dort könnte das schwere Gerät auch ohne Probleme mitgeführt werden. Und wahrscheinlich denkt man sich, dass es eher akzeptiert wird, wenn es nicht das Militär gegen Zivilisten, sondern Seeleute gegen Piraten anwenden.

Angeboten wird das System nicht als nichttödlich, sondern, vorsichtiger, als weniger tödlich. Man könne damit Menschen sicher und effizient abwehren, wird versprochen. Bedient wird es an einem Bildschirm mit einem Joystick. Geeignet für ein Schiff wäre es auch deswegen, weil fast 360 Grad abdecken und der Strahl auch steil nach oben oder unten gerichtet werden kann.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/143154
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS