Sozialverträgliche Raumtemperaturen
Warme Zimmer lassen Menschen anders handeln.
Neues Schlagwort gefällig? Embodiment. Nach dieser These braucht Intelligenz einen Körper. Mehr noch, das, was wir denken und fühlen, ist maßgeblich von Körperfunktionen abhängig. Um zu zeigen, wie weit das gehen kann, haben die Wissenschaftler Hans Ijzerman und Gun Semin nun einige Freiwillige in verschieden temperierten Räumen versammelt. Die Probanden in den warmen (22-24 Grad Celsius) Zimmern benutzen danach eine eher konkrete Sprache, um einen vorgeführten Film zu beschreiben als die in den kälteren (15 bis 18 Grad Celsius) Zimmern. Sie berichteten zudem von einer größeren Gefühlsnähe gegenüber anderen und setzten abstrakte Figuren eher in Beziehung zueinander.
Ob es eines Versuchsaufbaus dieser Art braucht, um zu beweisen, dass man sich in warmen Räumen wohler fühlt und daher gnädiger mit sich und den anderen umgeht, sei dahingestellt. Aber die Zeit ist sozusagen reif für Körperlichkeit. Schon im letzten Jahr hatten Lawrence Williams und John Bargh einen Aufsatz im renommierten Fachmagazin Science veröffentlicht, in dem ein einfaches Experiment unterschiedliche soziale Verhaltensweisen bei Testpersonen evoziert hatte, nur weil diese entweder kalte oder heiße Tassen in den Händen gehalten hatten.
Es steht zu befürchten, dass eine Reihe weitere Experimente dieser Art auf uns zukommt: Manager mit vollen und leeren Magen werden in Verhandlungen geschickt, Studenten mit voller oder leerer Blase zu Blind Dates eingeladen und Polizisten mit kalten oder warmen Füßen auf Demonstrationen eingesetzt.
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