Der englische Dauerpatient
In Großbritannien nimmt die Verschreibungsdauer von Antidepressiva zu
Eine jüngst im British Medical Journal veröffentlichte Studie gibt überraschende Hinweise darauf, warum die Verschreibung von Antidepressiva über die letzten Jahre und Jahrzehnte so sehr angestiegen ist. Wissenschaftler von der Universität von Southampton analysierten die Krankenakten von 1,7 Millionen britischen Patienten und fanden heraus, dass der Anstieg weniger darauf zurückzuführen ist, dass immer mehr Menschen Antidepressiva erhalten, sondern dass deren Behandlung immer länger dauert.
Die Rate der auf Depression diagnostizierten britischen Patienten blieb zwischen 1993 und 2001 relativ stabil und fiel bis 2005 sogar noch einmal. Die Wahrscheinlichkeit nach einer Diagnose auf Depression ein Antidepressivum verschrieben zu bekommen, liegt seit Jahrzehnten stabil bei 75-80 %. Aber die Chance danach lange mit diesen behandelt zu werden hat sich nahezu verdoppelt. Die Autoren: "The average number of prescriptions issued per patient increased from 2.8 in 1993 to 5.6 in 2004." Die oft geäußerte Vermutung, dass immer mehr Menschen immer mehr Antidepressiva nehmen, stimmt für Großbritannien also nicht.
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