Glaxo zieht Depressions-Broschüre aus dem Verkehr
Ist die Serotonin-Mangel Erklärung nicht länger haltbar? In Island zieht GlaxoSmithKline eine Info-Broschüre zur Depression zurück.
In Island hat das Pharmaunternehmen GlaxoSmithKline (GSK) eine Broschüre, die Ärzte und Patienten über Ursachen und Therapie der Depression aufklären sollte, aus dem Verkehr gezogen. In der Druckschrift war der Mangel am Botenstoff Serotonin im Gehirn zur Ursache von Depressionen erklärt worden. Mehr noch, Psychotherapie wurde als unwirksam bezeichnet. Antidepressive Wirkstoffe wie der von GSK vertriebene Paroxetin funktionieren als sogenannte "selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer" (SSRI), sie stellen dem Körper also mehr Serotonin zur Verfügung. Auf der Theorie der heilsamen Korrektur des Serotoninmangels basiert annähernd die gesamte Pharmakotherapie der Depression. Ein Großteil der erhältlichen Antidepressiva sind SSRIs.
Den Stein ins Rollen brachte Steindór Erlingsson von der Universität Island. Ihm war die seit 1999 im Umlauf befindliche Broschüre schon länger ein Dorn im Auge. In einem persönlichen Gespräch mit dem isländischen Gesundheitsminister Matthías Halldórsso konnte Erlingsson diesen überzeugen, einen Brief an die zuständige Arzneimittelzulassungsbehörde zu schreiben. Ende September dieses Jahres sandte GSK ein Schreiben an alle Apotheken und Gesundheitseinrichtungen mit der Bitte, die Broschüre nicht mehr zu verteilen, weil man sie überarbeiten wolle.
Die Serotoninmangel-Hypothese steht seit einiger Zeit in der Kritik. Mangels besserer Erklärungsmodelle hält sie sich hartnäckig. Dabei ist nicht jede Depression von einer Knappheit an Serotonin begleitet. Zudem lassen die SSRIs die Serotoninspiegel sofort ansteigen, besser fühlen sich Patienten aber erst Wochen später. Des weiteren existiert mit Tianeptin ein antidepressiver Wirkstoff, der den Serotoninspiegel ansteigen lässt.
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