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08.01.2010Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Butter bei die Fische

Warum wird Kokain mit einem Entwurmungsmittel versetzt?

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Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC hat in der Dezember-Ausgabe ihres Bulletins darauf hingewiesen, dass 2009 die Zahl der lebensbedrohlichen Fälle zugenommen hat, die nach Kokaingebrauch unter einer starken Verminderung der weißen Blutkörperchen litten. Diese, Agranulozytose genannten Attacken, wurden anscheinend durch ein vergleichsweise neues Streckmittel verursacht, welches der Droge zugemischt wird. Analysen ergaben, dass die Proben mit dem Entwurmungsmittel Levamisol versetzt worden waren. Mehr noch, glaubt man den Zahlen der DEA, enthalten knapp 70% des Kokains auf dem US-Markt mittlerweile Levamisol. Auch in Europa findet sich der Arzneistoff im beliebten Andenpuder.

Für kurze Zeit herrschte Verwirrung, denn der Anteil an Levamisol im Kokain beträgt nur zwischen drei und sechs Prozent - zuwenig, um es als Streckmittel zu bezeichnen. Nun haben zwei Forscher von der Universität von Miami eine Erklärung parat, die im Journal of Analytical Toxicology veröffentlicht wurde. Danach verstärkt Levamisol die Wirkung des Kokain. Der Arzneistoff wirkt auf das vegetative Nervensystem, zudem regt er die Freisetzung des Neurotransmitter Glutamat an, einem wichtigen Botenstoff im zentralen Nervensystem. Sollte diese Annahme stimmen, wäre weniger Kokain für eine ähnliche Wirkung nötig. Ein gutes Geschäft für die Kokainhersteller.

Es zeigt zugleich den skrupellosen Ideenreichtum einer Branche, die anscheinend vermehrt auf neurowissenschaftliche Forschungsergebnisse baut. Die ohnehin durch den Kokainkonsum erhöhte Gefahr eines Herzstillstandes wird durch die Beimengungen noch verstärkt. Dazu kommt: Levamisol galt kurze Zeit als Antikrebsmittel, eben weil es Blutkörperchen zu zerstören vermag. Weil dieser Vorgang aber, wie an den Agranulozytose-Attacken zu sehen ist, leicht außer Kontrolle gerät, wird es beim Menschen kaum noch eingesetzt. In Kanada und den USA wird es gar nicht mehr angewendet. Nur unter Aquariumliebhabern ist es weltweit nach wie vor beliebt, um tropische Fische von Fadenwürmern zu befreien.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/146856
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