Schweinegrippe: Impfen oder Nicht-Impfen?
In den USA empfehlen die CDC dringend weiter eine Impfung, in Europa klingt die Grippewelle weiter ab und breitet sich Entwarnung aus.
Während in Europa gegenüber der Schweineepidemie in der Bevölkerung Entwarnungsstimmung herrscht, die Regierungen auf ihrem teuer eingekauften Impfstoffen sitzen bleiben und versuchen, möglichst kostengünstig aus der Misere herauszukommen, ist das offiziell noch anders. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut empfiehlt weiterhin die Impfung für alle Bevölkerungsgruppen, auch wenn die Grippe in aller Regel mild verläuft und für schwere und Todesfälle meist andere Krankheiten verantwortlich sind.
Das Robert Koch-Institut spricht von einer gering erhöhten Influenza-Aktivität: "insgesamt wurden dem RKI bis zum 05.01.2010 (15:00 Uhr) 215.881 Fälle von Neuer Influenza A/H1N1 gemäß IfSG übermittelt, darunter 2.182 Fälle für die 52. KW und 615 Fälle für die 53. KW. Insgesamt wurden 159 Todesfälle gemeldet." Das klingt nicht sonderlich beunruhigend und wird nicht dafür sorgen, dass sich mehr Menschen impfen lassen. Gesagt wird dennoch: "Präventiv wird der Schutz insbesondere der Risikogruppen durch die Impfung gegen die Neue Influenza A/H1N1 empfohlen." Dann steht man jedenfalls auf der richtigen Seite, wenn eine neue Welle entsteht. Das ist das Dilemma der Empfehlungen – und der Vorsorge für den Impfstoff -, wenn man es nur mit kaum kalkulierbaren Wahrscheinlichkeiten und somit mit riskanten Entscheidungen zu tun hat.
Nach der WHO – Stand: 8. Januar - hat es bislang weltweit mindestens 12799 Tote gegeben. Am stärksten verbreitet sei die Schweinegrippe derzeit in Zentral-, Südost- und Osteuropa, Nordafrika und Südasien. In Nord- und Westeuropa sinken die Krankheitsfälle und nähern sich den normalen saisonalen Grippewellen an.
In den USA fordern die Experten der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hingegen die zögernden Menschen auf, sich auf jeden Fall noch impfen zu lassen. Wie Experten schon immer argumentiert haben, ist auf der Nordhalbkugel der Erde nur die erste Grippewelle abgeklungen. Es kann aber noch eine weitere folgen, die weitaus ernster sein könnte, auch wenn dies niemand wirklich beurteilen kann.
Anne Schuchat, Direktorin für Atemwegerkrankungen und Immunisierung bei den CDC, verweist auf Fehler, die man während der Grippeepidemie im Jahr 1957 gemacht habe. Damals habe man mitten im Winter Entwarnung gegeben und die Impfung nicht mehr empfohlen. Im März 1958 sei es deshalb zu einer weiteren Welle mit tödlichen Erkrankungen gekommen. Allerdings räumt auch sie hohe Unsicherheit ein, zumal der Erreger der H1N1-Grippe weitaus weniger schlimm zu sein scheint wie der der Grippe von 1957. Die Todesrate liegt gerade einmal bei einem Viertel, eine Rolle könnten aber auch antivirale Medikamente und bessere "ventilators" (Lüftungsanlagen bzw. Beatmungsgeräte) spielen, sagte sie.
Jetzt ist auch in den USA Impfstoff reichlich vorhanden, sagt Schuchat, da bislang erst 60 Millionen Menschen geimpft wurden. Impfstoff gibt es für 136 Millionen. Die Grippewelle liege nun weit unter dem Höhepunkt im Oktober, aber sie ein wenig höher als normalerweise. Meist würde es sich um Erkrankungen durch den H1N1-Virus handeln. Lungenentzündungen und Todesfälle seien leicht angestiegen, ebenso angestiegen seien die Arztbesuche. Aber das sei ein normales Phänomen während der Feiertage, möglicherweise habe auch das kalte Wetter eine Rolle gespielt.
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