Schuldbeladene Frauen, unsensible Männer
Frauen fühlen sich dauerhafter schuldiger als Männer, so eine psychologische Studie, weil bei ihnen die Empathie stärker ist.
Frauen empfinden gemeinhin mehr Schuld als Männer. Das kommt vermutlich daher, dass sie sensibler für zwischenmenschliche Probleme sind und daher die Schuld auch damit zu tun hat, dass das Mitgefühl oder das Einfühlungsvermögen (Empathie) bei Frauen stärker ausgeprägt ist. Baskische Psychologen haben dieses Phänomen der Geschlechterdifferenz in der westlichen Kultur in einer Studie bestätigt. Sie betonen aber, dass eigentlich nicht die Frauen zu viel Schuld empfinden, sondern eher die Männer emotionale Büffel sind, die zu wenig Einfühlungsvermögen entwickeln, was sich ändern müsse. Da sehen sie jedenfalls gesellschaftlichen Änderungsbedarf. Allerdings könnte es sein, dass spanische Frauen und Männer sich von denen besonders in mittel- oder nordeuropäischen Ländern unterscheiden, das Macho-Gehabe in Spanien also ausgeprägter ist als etwa in Großbritannien, Deutschland oder Schweden.
Für ihre Studie, die in der Zeitschrift Spanish Journal of Psychology erschienen ist, haben sie 360 Frauen und Männer aus den Altergruppen 15-19, 25-33 sowie 40-50 gebeten, eine Situation zu schildern, in der sie für gewöhnlich Schuld empfinden und dabei auch anzugeben, wie stark das Schuldgefühlt ist. Dann wurde geprüft, ob es sich um eine zwischenmenschliche (Ich habe vergessen, meine Oma zu besuchen) oder eine andere Schuld (Ich habe zu viel Alkohol getrunken) handelt. In einem weiteren Test (Davis Empathetic Concern Scale) wurden den Versuchspersonen Szenen vorgelegt, in denen sie sich vorstellen sollten, der Handelnde zu sein und dann anzugeben, wie schuldig sie sich fühlen. Und schließlich sollten sie die Schuld anhand vorgegebener Antworten näher charakterisieren (Ich bin nervös, ich bin ängstlich, ich ärgere mich über mich, ich bin traurig etc.), um so zu erkennen, ob die Schuld eher durch Empathie oder eher durch Angst bzw. Aggression zustande kommt.
Die Auswertung zeigt, dass Frauen, vor allem in der Altersgruppe der 40-50-Jährigen, deutlich mehr ständige Schuld empfinden als Männer. Allerdings ist der Unterschied zwischen Frauen und Männern im Hinblick auf die zwischenmenschliche Schuld bei den älteren Frauen nur gering, während diese allgemein bei den Männern – und besonders in der Altersgruppe der 25-33-Jährigen – "relativ gering" ausgeprägt ist. Mangelnde Sensibilität würde vermutlich dafür verantwortlich sein, weniger zwischenmenschliche Schuldgefühle zu entwickeln. Bei den älteren Frauen nehmen die Schuldgefühle mit Angst-Aggressions-Komponenten zu, während die älteren Männer sensibler für Beziehungsprobleme werden.
Dass die mit Angst oder Aggression beladene Schuld bei den jüngeren Frauen und Männern keine Rolle spielt, führen die Autoren auf gesellschaftliche Veränderungen nach der Franco-Zeit zurück, in der "das traditionelle katholische Denken einen enormen Einfluss ausübte". Allerdings würden auch die jüngeren Frauen immer noch stärker als die Männer diese Schuldgefühle entwickeln, was darauf hinweise, dass Frauen weiterhin so erzogen werden, stärker bestimmte Verhaltensweisen kontrollieren zu müssen.
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