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19.05.2010Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Wer gut lügen kann, ist klüger

Machen Kinder, die lügen können, später eine bessere Karriere?

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Wer nicht lügt, kommt im Leben nicht zurecht. Wer nur ehrlich ist, hat Probleme. Mit Lügen kann man Konfrontationen zu eigenen Gunsten umschiffen und sich Vorteile verschaffen. Das ist nicht für Erwachsene der Fall, sondern auch schon bei kleinen Kindern. Zwar ist mit der bürgerlichen Aufklärung der Drang zum Authentischen gegenüber den höfischen Ritualen aufgekommen, aber man lebt wohl einfacher miteinander, wenn man auf der Bühne nach gewissen Spielregeln handelt, also den Schein dem Sein vorzieht.

Für Kang Lee von der University of Toronto und Direktor des Institute of Child Study gehört Lügen zur Entwicklung. Kinder, die nicht lernen zu lügen, haben Schwierigkeiten mit dem Erwachsenwerden – für die Politik wären sie schon gar nicht geeignet. Strafen sollte man Kinder nicht, wenn man sie beim Lügen erwischt, meint Kang Lee, denn dann hätten sie einen wichtigen Schritt im Leben vollzogen.

Nach einem Experiment wächst die Versuchung zu lügen mit dem Alter. Während nur 20 Prozent der Kinder im Alter von zwei Jahren in einem Versuch schummeln, macht dies im Alter von drei Jahren schon die Hälfte. Mit vier Jahren tricksen schon 90 Prozent, sagen dies aber nicht. Im Alter von sieben Jahren schaffen es die meisten auch, sich nicht auf die Schliche kommen zu lassen. Allerdings scheint mit 15 Jahren ein Höhepunkt erreicht zu sein, dann werden die Menschen ein klein wenig ehrlicher. Im Alter von 17 Jahren lügen nur noch 70 Prozent, der Rest steht zu seinem Schummeln und denkt wohl auch eher strategisch.

Insgesamt sollen Kinder, die besser lügen, auch bessere kognitive Leistungen bringen. Das scheint auf der Hand zu liegen. Die Wahrheit ist einfach, während um die Ecke zu denken, dem Anderen eine Lüge als Wahrheit zu verkaufen und auch Lügen aufzudecken, kompliziertere, vielschichtige Denkvorgänge erfordert. Kang Lee: "Fast alle Kinder lügen. Wer sich besser kogntiv entwickelt, lügt besser, weil er besser deren Anzeichen verbergen kann. Das sind die besseren Banker, wenn sie älter sind."

Besonders geschickt könnten dann also diejenigen sein, die so tun, als hätten sie – wie die Philosophen – nichts als die Wahrheit im Sinn. Kann gut sein, allerdings sind Philosophen meist nicht sonderlich erfolgreich, sondern schon eher die Händler und die Geschäftemacher, die mit Finten und der Vorgabe von Ehrlichkeit ihre Geschäfte (oder Pleiten) machen. Was Kang Lee aber nicht berücksichtigt, ist die Möglichkeit der Aufklärung. Zwar können nicht alle genauso gut lügen, aber es gibt auch Unterschiede darin, Lügen zu entdecken, was ebenfalls eine kognitive Leistung ist. Die aber scheint seltener zu sein, was man auch an der Finanzkrise merken konnte. Die Blufferei haben nur wenige entdeckt, die Meisten sind mit den Lügen mitgeschwommen.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/147645
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