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23.06.2010Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Depressive Blogger müssen sich vorsehen

Israelische Wissenschaftler wollen ein Programm entwickelt haben, um zu diagnostizieren, ob Autoren von online veröffentlichten Texten depressiv gestimmt sind

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Wer online persönliche Informationen mitteilt, muss nicht nur aufpassen, dass ihm seine Äußerungen später einmal zum Nachteil gereichen können oder dass Unternehmen, Geheimdienste und Sicherheitsbehörden Profile anlegen. Yair Neumann von der Gurion University of the Negev (BGU) hat nun auch noch eine Software entwickelt, um aus im Internet veröffentlichten Texten zu erkennen, ob der Autor depressiv ist.

Mit dem Programm wurden 300.000 Blogs in englischer Sprache durchforstet, die auf Websites für psychische Gesundheit gepostet wurden. Erkannt werden sollen Inhalte, die auf eine Depression hinweisen, auch dann, wenn entsprechende Begriffe wie Depression oder Selbstmord fehlen. Aus der Verwendung bestimmter Worte soll auf die Gefühlslage zurückgeschlossen werden. Wenn beispielsweise die Farbe schwarz im Zusammenhang mit Worten auftaucht, die mit Depression und Einsamkeit zusammenhängen, diagnostiziert das Programm den Text als depressiv.

Identifiziert wurden die 100 depressivsten und die 100 am wenigsten depressiven Texte. Die Selektion wurde von 4 klinischen Psychologen überprüft, die eine 78prozentige Übereinstimmung zwischen dem Programm und ihrem Befund festgestellt haben. Da ist also noch viel Spiel, zumal die Diagnosen der Experten auch eine große Irrtumsanfälligkeit haben dürften.

Neuman denkt – ganz der Menschenfreund - daran, dass man ja mit solchen Programmen Online-Texte analysieren und so präventiv mögliche Selbstmordkandidaten oder Menschen, die eine Therapie benötigen, herausfischen könne, um ihnen zu empfehlen, professionelle Hilfe zu suchen. Das sei besser, als Menschen einen Online-Test ausfüllen zu lassen, den sowieso nur diejenigen machen, die schon glauben, ein Problem zu haben. Psychologen, Therapeuten oder Anbieter von irgendwelchen Mitteln von Heilkräutern über Psychopharmaka bis hin zu Viagra oder Psdycho-Enhancern könnten also mit solchen Programmen im Internet künftig auf Jagd gehen und beispielsweise Blogger, die anhand ihrer Blogeinträge als depressiv oder anderweitig psychisch belastet mehr oder weniger richtig identifiziert werden, eine Mail zu schicken, um sie als Kunden zu gewinnen.

Auch Spiel-, Porno- oder überhaupt Internetsüchtige könnte man so vielleicht mit Programmen erkennen und der Behandlung zuführen. Fürsorgliche Gesellschaften oder Staaten könnten dazu auch Druck ausüben. Und wenn sich dann noch präventiv mögliche Kriminelle oder Terroristen anhand ihrer Äußerungen im Internet identifizieren und behandeln, dann würden sich die Innenminister freuen und hätten die Therapeuten noch mehr Arbeit.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/147875
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Die verspielte Gesellschaft

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