Vorsicht: Radioberichte über Fußball-WM beim Fahren erhöhen das Unfallrisiko
Nicht geeignet für Multitasking? Die Aufmerksamkeit beim Fahren wird durch vieles beeinträchtigt, warum also nicht auch von Sportnachrichten?
Telefonieren während des Fahrens erhöht das Unfallrisiko ebenso sehr wie Alkoholkonsum. Das ist lange bekannt, wobei man anfänglich davon ausging, dass nicht das Sprechen, sondern das Halten des Handys die Ursache dafür ist. Offenbar ist aber das Multitasking, also mit einem Menschen am Telefon zu sprechen und ihm zu lauschen, während man gleichzeitig ein Fahrzeug steuert (aber auch, wenn man nur zu Fuß geht) schon eine gewisse Überforderung, die in der evolutionär selektierten kognitiven Ausstattung mit dem engen Flaschenhals der Aufmerksamkeit nicht vorgesehen war.
Das könnte sich ja relativ schnell ändern, schließlich haben sich, wie chinesische Wissenschaftler gerade herausgefunden haben wollen, die Tibetaner in gerade einmal 3.000 Jahren an das Leben in großer Höhe angepasst, in der 40 Prozent weniger Sauerstoff vorhanden ist. Dafür mussten mindestens 30 Gene im Zusammenspiel mutieren, erklären sie in ihrem Bericht, der in der Zeitschrift Science erschienen ist. Dabei soll es sich um die bislang schnellste evolutionäre Anpassung des Menschen handeln, die beobachtet wurde.
Gleichwohl sind 3.000 Jahre ein lange Zeit, da die Menschen auch nicht dauernd telefonierend im Auto sitzen. Das würde dann im Gegensatz zum Leben in großer Höhe die Selektion doch sehr verlangsamen und damit die Anpassung auch erschweren. Allerdings ist es wohl so, dass wohl jede Tätigkeit, die neben dem Steuern des Fahrzeugs ausgeführt wird, die Aufmerksamkeit ablenkt und damit das Unfallrisiko erhöht. Das können Beifahrer sein, aber auch Trinken und etwas Naschen könnten gefährlich werden, ganz zu schweigen vom Einlegen einer CD oder vom Radiohören.
Das wollen nun Wissenschaftler des britischen Transport Research Laboratory (TRL) herausgefunden haben. Sie haben untersucht, wie sich das Hören von Sportberichten auf die Fahrer auswirkt. Für den Bericht wurde die Reaktion von 18 Versuchspersonen (9 Frauen, 9 Männer) zwischen 25 und 45 Jahren getestet. Wenig überraschend reagieren die Fahrer, die emotional am stärksten beteiligt sind, am stärksten. Also Vorsicht auf der Straße während des Viertelfinales, wenn die deutsche Mannschaft gegen die argentinische spielt. Die Fahrer, die während des Fahrens dem Bericht über das Spiel zuhören, reagieren bis zu 20 Prozent langsamer als unabgelenkte Fahrer. Bei einer Geschwindigkeit von 100 km/h entspräche dies einem 6 m längeren Bremsweg. Bei den Versuchen verdoppelte sich die Zahl der Fälle, in denen die Fahrer scharf bremsen mussten.
Nach den Wissenschaftlern würden die meisten Menschen nicht wahrhaben wollen, dass das Hören von Sportberichten im Fahrzeug ähnlich ablenkt wie ein Streit. Wenn es besonders spannend wird, beispielsweise bei einem Freistoß oder einem Elfmeter, könne es besser sein, einen Parkplatz zu suchen und so das Geschehen sicher verfolgen zu können, wird geraten.
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