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23.07.2010Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

Wer ärmer ist, stirbt auch zunehmend früher

Nach einer Studie ist die Ungleichheit im Hinblick auf vorzeitige Mortalität in Großbritannien seit 1990 stetig gestiegen

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Die Ungleichheit in den Gesellschaften auch in den reichen Ländern hat in der letzten Zeit enorm zugenommen. Das weiß man, und das ist auch ein Effekt der liberalen Ideologie, die sich gerade auch die Sozialdemokraten nach der vermeintlich alternativenlosen Durchsetzung des Kapitalismus auf dem globalen Markt angeeignet haben. Einer der Vorreiter war die Labour-Partei in Großbritannien, deren "Vordenker" von einem nebulösen Dritten Weg und einer Neuen Mitte fantasiert haben, was auch deutsche Sozialdemokraten gerne übernahmen, weil man damit vermeintlich ebenso fortschrittlich und modern wurde, wie wenn man die Finanzindustrie fördert und den Sozialstaat abbaut.

Dass diese Politik Folgen hatte, die einerseits zur Finanzkrise und andererseits zum Auseinanderklaffen der Einkommen führt, ist allseits bekannt. Nun haben Wissenschaftler der Universitäten von Sheffield und Bristol auf eine weitere Konsequenz dieser Politik in einer im British Medical Journal erschienenen Studie aufmerksam gemacht, die auch dem ewigen Gerede vom Fortschritt widerspricht.

So hat sich nach ihren Untersuchungen die Ungleichheit zwischen Armen und Reichen nach dem Gini-Koeffizienten in der vorzeitigen Mortalität der Menschen in England und Wales wieder so weit erhöht, dass sie der gleicht, die vor dem weltwirtschaftlichen Einbruch von 1929 und der darauf folgenden Wirtschaftskrise geherrscht hat. Seit 1990 wuchs die Ungleichheit stetig an, und sie könnte noch schlimmer werden, was heißt, dass die Menschen aus den ärmeren Schichten nicht nur weniger Einkommen haben, sondern auch früher sterben.

1990 starben die ärmsten Menschen im Vergleich zu den reichsten 1,6 mal frühzeitiger, 2006-2007 war die Wahrscheinlichkeit schon auf das Doppelte angestiegen. Nur kurzzeitig hatte es 2001 einmal einen Rückgang gegeben, aber nun ist die Ungleichheit bis zum Alter von 65 Jahren auf den höchsten Stand – zumindest seit 1921, als erstmals entsprechende Daten gesammelt wurden. 2006 kam es zum höchsten Anstieg der Ungleichheit, der mit dem Anstieg der Kinderarmut parallel ging.

"Auch wenn die Lebenserwartung für alle Menschen weiter steigt", so die Wissenschaftler, "wächst auch die Kluft zwischen den ärmsten und den reichsten Gebieten. Die Wirtschaftskrise 2008 könnte noch größere Ungleichheiten im Hinblick auf die Mortalität zwischen Gebieten in Großbritannien zur Folge haben."

http://www.heise.de/tp/blogs/3/148065
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