Lernen auf Kosten des Nachtschlafs lohnt sich nicht
Einer UCLA-Studie zufolge überwiegt der Leistungsverlust einen eventuellen Wissensgewinn
In einem Aufsatz mit dem Titel To Study or to Sleep - The Academic Costs of Extra Studying at the Expense of Sleep, der demnächst in der Fachzeitschrift Child Development erscheint, veröffentlichen die Entwicklungspsychologen Cari Gillen-O’Neel, Virginia W. Huynh und Andrew J. Fuligni von der University of California in Los Angeles (UCLA) Ergebnisse einer Studie, die sie mit Neunt- bis Zwölftklässlern in den USA durchführten. Die drei Wissenschaftler wollten herausfinden, ob sich die nicht nur an amerikanischen High Schools weitverbreitete Praxis, Nächte vor Prüfungen mit Hilfe von viel Kaffee durchzulernen, wirklich lohnt.
Das Ergebnis ihrer Studie ist eindeutig: Es lohnt sich nicht, sondern ist sogar kontraproduktiv und führt dazu, dass Schüler bei Tests schlechter abschneiden. Das gilt nicht nur für komplett durchgelernte Nächte, sondern auch für kürzere Zeitabschnitte, die auf Kosten einer ausreichenden Schlafmenge gehen. Der von der Russell Sage Foundation geförderten Untersuchung nach erzielen Schüler die besten Ergebnisse, wenn sie sich an regelmäßige Lernpläne halten. Die Vorstellung, dass der Bedarf an Schlaf zwischen der neunten und der zwölften Klasse abnehmen würde, hatten bereits vorherige Studien als Unsinn entlarvt. Was jedoch tatsächlich sinkt, ist die Menge an Schlaf, die sich US-Schüler gönnen: In der neunten Klasse sind es durchschnittlich noch 7,6 Stunden pro Nacht, in der zehnten 7,3, in der elften 7 und in der zwölften nur mehr 6,9.
Verbindet man diese Ergebnisse mit den neuen Erkenntnissen, dann liegt der Schluss nahe, dass Leistungsprobleme bei Schülern auch mit einer Geringschätzung des Schlafs und chronobiologischer Rhythmen zu tun haben. Abhilfe schaffen könnte hier möglicherweise ein Aufbrechen historisch tradierter Unterrichtsvorstellungen in Richtung eLearning-Angebote, die zeitlich flexibler wahrnehmbar sind. In Deutschland, wo der Schulunterricht vor allem zwischen 8 und 13 Uhr stattfindet, wäre auch ein Zweischichtbetrieb denkbar, der es Schülern erlaubt, die Schulpräsenz besser mit ihrem individuellen Schlafrhythmus zu verbinden. Das würde dem Steuerzahler keine Mehrkosten aufbürden, sondern könnte durch eine bessere Ausnutzung von Gebäuden und Materialien sogar helfen, Kosten einzusparen.
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