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14.09.2012Übermensch
Nachrichten über die Verbesserung, Erweiterung und Ablösung des Menschen

New York im Kampf gegen die Epidemie der Fettleibigkeit

Erstmals wurde in den USA ein eher symbolisches Verbot durchgesetzt, in Restaurants zuckerhaltige Getränke über einer bestimmten Größe zu verkaufen

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Der um die Gesundheit seiner Mitmenschen besorgte Bürgermeister New Yorks hat es erreicht, eine neue Einschränkung in der Stadt durchzusetzen, nachdem bereits umfangreiche Rauchverbote auch in Parks und auf Stränden durchgesetzt wurden und Fastfood-Restaurants Kalorienangaben machen müssen. In dem Land, das die Freiheit des Einzelnen so hoch ansetzt, dass Sozialprogramme als kommunistisch gelten, haben die Behörden, in dem Fall der New York City Board of Health, nun beschlossen, dass in Restaurants, Cafeterias, Kinos, Theatern, Stadien und Imbissbuden keine zuckerhaltigen Getränke in Trinkgefäßen oder Flaschen mehr angeboten werden dürfen, deren Inhalt größer als 470 Gramm (16 fluid ounces) ist. Mit dem Verbot, das in einem halben Jahr in Kraft tritt, will die Stadtverwaltung die Fettleibigkeitsepidemie bekämpfen, die auch durch die Oversize-Angebote gefördert werde. Wenn man statt Halbliterflaschen Literflaschen kauft, werden diese unabhängig vom Durst auch ausgetrunken, so die Unterstellung. In New York ist mehr als die Hälfte der Einwohner übergeichtig oder adipös.

Nach einer Umfrage lehnten zwar 60 Prozent der New Yorker die Einschränkung ab, nur eine Minderheit von 36 Prozent fand dies eine gute Idee. Aber man will die Menschen vor Selbstdestruktion, die auch den Staat belastet, fürsorglich schützen, während man ihn gleichzeitig dem kaum gehemmten Kapitalismus und der Armut bedenkenlos aussetzt. Der Bürgermeister Michael Bloomberg, ein Milliardär, freute sich jedenfalls und twitterte u.a. in einer ganzen Tweet-Flut: "New Yorks Regulierung der zuckerhaltigen Getränke ist der größte einzelne Schritt, den eine Regierung gemacht hat, um die Fettleibigkeit einzuschränken. Das wird Menschenleben retten." Da langt Bloomberg schon tief in die Propagandakiste, der Effekt dürfte nicht allzugroß sein, zumal er selbst betont, dass die Maßnahme die Menschen nicht einschränke, weil sie so viele 16-Unzen-Getränke kaufen können, wie sie wollen. Gleichwohl will die Getränkeindustrie vor Gericht ziehen.

Es gibt zudem auch viele Ausnahmen, beispielsweise Getränkeautomaten, einige Zeitungsstände oder Convenience Shops, das sind kleinere Läden. Dazu gehört etwa auch die Kette von 7-Eleven-Filialen, die weiter den Big Gulp in der Größe von bis zu 1,2 Litern anbieten können. Ausgenommen sind auch Fruchtsäfte, Milchmischgetränke, alkoholische Getränke und Getränke mit Süßstoff, allgemein alle Getränke, die weniger als 25 Kalorien pro 235 Gramm (8 ounces) haben. Recht viel mehr als ein symbolischer Akt ist es also nicht, den Bloomberg zelebriert, der sich aber feiert, weil nun New York als erstes eine solche Maßnahme gegen die Fettleibigkeit eingeführt hat.

Nach der Gesundheitsbehörde New Yorks sollen jährlich 6.000 Menschen an den Folgen von Übergewicht und Fettleibigkeit sterben. Joel Forman, Mitglied des Ausschusses und Professor an der Mount Sinai School of Medicine, sagte vor dem Beschluss, es gebe starke Beweise für einen Zusammenhang zwischen zuckerhaltigen Getränken und Fettleibigkeit: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ausschuss nicht gegen ein anderes Problem vorgeht, das jedes Jahr 5.000 Menschen tötet. Für Pamela Brier, ebenfalls Mitglied des Ausschusses und Präsidentin des Maimonides Medical Center in Brooklyn, sind es "unglückliche Menschen", die sich dem Verbot widersetzen, geht aber davon aus, dass sich die neuen Größen als Norm durchsetzen werden.

Und der stellvertretende Bürgermeister Gibbs meint, dass seit einiger Zeit "unsere Umwelt zunehmend gegen uns gearbeitet hat - die Menschen bewegen sich weniger und essen mehr, die Portionen wurden größer und zuckerhaltige Getränke, voll leerer Kalorien, haben sich exponentiell vermehrt. Fast 6.000 New Yorker sterben jedes Jahr an Krankheiten, die mit Fettleibigkeit verbunden sind." Mit solchen Argumenten könnte man gegen viele ungesunde oder tödliche Angebote oder Verhaltensweisen vorgehen, immerhin hatte Bloomberg auch eine unpopuläre Verschärfung des Waffengesetzes gefordert. Gibbs macht jedenfalls klar, wohin der Weg gehen könnte: "Die Frage war nicht, wie die Regierung es wagen kann, hier einzugreifen, sondern wie es die Regierung wagen kann, nicht einzuschreiten?" Normiert wird freilich nur der Konsum oder das entsprechende Verhalten der Menschen.

http://www.heise.de/tp/blogs/3/152776
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