2009 lag in den USA die Zahl der Suizide erstmals höher als die der Verkehrstoten
Enorm zugenommen haben auch die Todesfälle durch unbeabsichtige Vergiftungen, vor allem durch Überdosierung verschreibungspflichtiger Schmerzmittel
In den USA starben 2009 erstmals weniger Menschen aufgrund von Autounfällen als durch Selbstmord. Während die Selbstmordrate in der Zeit zwischen 2000 und 2009 um 15 Prozent angestiegen sind, fiel die Zahl der Verkehrstoten um 25 Prozent. Ebenso angestiegen sind nach einer Studie, die im American Journal of Public Health erschienen ist, die Todesursachen unbeabsichtigte Vergiftung und Stürze, die im selben Zeitraum noch deutlicher um 128 bzw. 71 Prozent angestiegen sind.
Die Studie untersuchte anhand der Zahlen der National Center for Health Statistics (NCHS) die 5 wichtigsten Todesarten, die durch Verletzung entstehen: Mord und Selbstmord und die unbeabsichtigten Todesfälle durch Autounfälle, Stürze und Vergiftungen. Insgesamt ist die Zahl der Todesfälle durch Verletzungen während der untersuchten Zeit um 10 Prozent angestiegen sind. Bei den 0-14-Jährigen sind die untersuchten Todesfälle um mehr als 70 zurückgegangen, während sie im zunehmenden Alter jedoch angestiegen sind. Die nicht krankheitsbedingten Todesursachen treffen Männer 2,2 Mal eher als Frauen, bei den Weißen sind sie um 20 Prozent gestiegen, bei Schwarzen und Latinos aber weniger geworden. Letztere sterben weniger häufig bei Autounfällen und an Suizid als Weiße, aber sie werden häufiger ermordet.
Von 2000 bis 2008 starben noch mehr Menschen in den USA an Autounfällen als an Selbstmorden. Am stärksten betroffen ist die Gruppe der 35-54-Jährigen. Erst 2009, möglicherweise als Folge der Finanzkrise, brachten sich mehr Menschen um, überwiegend Männer. Frauen haben ein 77 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, dass sie an Selbstmord sterben. Die Mordrate, die bei den 15-24-Jährigen am höchsten ist, lag zwischen 2000 und 2002 noch an dritter Stelle, fiel jedoch danach auf die fünfte Stelle zurück, da 2009 um 8 Prozent weniger Morde begangen wurden als 2000 und die Zahl der unbeabsichtigten Vergiftungen, auch daran sterben Männer deutlich öfter als Frauen, so stark zugenommen hat. Auch das könnte eine Folge der Finanzkrise sein, 75 Prozent dieser Todesfälle gehen auf Drogen bzw. auf verschreibungspflichtige Medikamente zurück, davon wieder stellen Opioide die überwiegende Mehrzahl dar. Die Verschreibung von opioid-haltigen Schmerzmitteln ist in den USA explodiert. Zwischen 1997 und 2007 stieg Einnahme dieser verschreibungspflichtigen Schmerzmittel um mehr als 400 Prozent.
Wie in den USA ist auch in der EU, in Kanada und China die Zahl der Selbstmordrate angestiegen (Rezession treibt mehr Menschen in den Selbstmord). Erklärungen dafür bieten die Wissenschaftler ebenso wenig an wie für die steigende Zahl der tödlichen Stürze bei den älteren Menschen. Werden sie schlechter betreut als früher? Sind sie kränker als die vorhergehende Generation? Ist es nur eine Folge der steigenden Lebenserwartung? Nur bei den verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln verweisen sie darauf, dass sie mehr verschrieben werden und sie fälschlicherweise als nicht sonderlich gefährlich gelten. Die Wissenschaftler führen den Rückgang der Verkehrstoten auf umfassende und anhaltende Maßnahmen zur Verkehrssicherheit zurück. Und sie fordern, dass man sich mit ähnlicher Aufmerksamkeit und mit vergleichbaren Ressourcen auch der Reduzierung der übrigen Todesarten durch Verletzungen widmen sollte.
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