Studentinnen neigen eher zum Rauschtrinken als ihre männlichen Kollegen und ziehen einen sitzenden Lebensstil vor
Nach einer Untersuchung von spanischen Studenten wird diesen eine ungesunde Lebensweise attestiert
Vermutlich würden viele spontan davon ausgehen, dass mehr Männer sich öfter betrinken als Frauen und dass sie auch mehr Drogen zu sich nehmen. Zumindest auf spanische Studenten scheint dieses Stereotyp nicht zuzutreffen - oder vielleicht eher: nicht mehr zuzutreffen, weil Frauen Aspekte des männlichen Lebensstils vermehrt zu übernehmen scheinen, wie das schon beim Rauchen von Zigaretten beobachtet wurde.
Nach einer Studie von Wissenschaftlern der spanischen Universität Vigo, die den Lebensstil der Studenten untersucht haben und die vor einiger Zeit im Journal of Environmental Research and Public Health erschienen ist, betrinken sich mit 56,1 Prozent Binge-Trinkerinnen mehr Studentinnen bewusst und schneller als Studenten, bei denen dies nur 41,3 Prozent pflegen. Zwar trinken Studenten öfter, Studentinnen nehmen aber in kürzerer Zeit mehr Alkohol zu sich. Lustig und alkoholreich war das Studentenleben bekanntlich schon vor Jahrhunderten, ob nun die Umstellung auf Bachelor/Masters-Studiengänge die Neigung zum Alkohol aufgrund vermehrten Stress gefördert hat, die missliche Lage der spanischen Studenten angesichts der enormen Arbeitslosigkeit eine Rolle spielt oder man sich auch von härteren Bedingungen nicht vom Studentenleben abbringen lässt, ist eine andere Frage, die die Studie nicht geklärt hat.
Die Wissenschaftler erhoben von 985 Studenten unterschiedlichen Alters, Geschlechts und Studienfächern, allerdings mit einem Anteil von 67,4 Prozent deutlich mehr Frauen, die auskunftsfreudiger zu sein scheinen, Informationen über deren körperliche Aktivitäten, Essstörungen, Konsum von Tabak, Alkohol und Drogen. Nach den Normen der körperlichen Ertüchtigung, umgerechnet in den Stoffwechselumsatz (Metabolische Äquivalent von mehr als 600 METS-min/wöchentlich), richtete sich mit 27,4 Prozent nur ein Viertel, der Rest war überwiegend körperlich inaktiv und pflegte einen sitzenden Lebensstil. Mehr als die Hälfte der Frauen (52,2 Prozent) bevorzugte nach der Studie eine sitzende Lebensweise, bei den Männern sind es immerhin auch noch 41,7 Prozent. 38,6 Prozent der Studenten sind ausreichend körperlich aktiv, aber nur 20,9 Prozent der Frauen.
Zusammen vor allem mit dem hohen Alkoholkonsum, der verbreiteten Einnahme illegaler Drogen (44,9 Prozent der Männer, 30,9 Prozent der Frauen) und auch der Neigung zum Rauchen wird den meisten Studenten "ungesundes Verhalten" attestiert. Beides scheint unabhängig von den Studienfächern zu sein. Problematisch sei das Verhalten von Studenten deswegen, weil sie einen großen Teil der jungen Menschen darstellen und sich in einer Lebensphase befänden, in denen wichtige Veränderungen im Lebensstil stattfinden. Wenn die ungesunden Verhaltensweisen zu Routinen würden, werden sie, so wird gewarnt, die Gesundheit dieser Menschen im späteren Alter bestimmen.
Zu ähnlich Ergebnissen wie in Spanien kam auch eine Untersuchung von deutschen Studenten in Braunschweig. Die Hälfte der Studenten würde dem Alkohol kräftig zugeneigt sein gelegentlich dem Binge-Drinking huldigen. Hier hört man allerdings auch Beruhigendes. Die Studenten weder süchtiger noch depressiver als der Rest der Deutschen. Die Rauschtrinker sollen sogar "psychisch am gesündesten" sein, weil sie gesellig und aktiv sind, sich nicht depressiv zurückziehen. Am meisten scheinen die Ingenieure, Informatiker und Mathematiker den Alkohol und die Betäubung zu schätzen.
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