t
17.05.2010Neben der Spur
Taglinger klickt neben der Spur

Nichts wie raus

Die eigene Facebook-Seite zu löschen und dem System den Rücken zu kehren, stellt sich zunehmend als Alternative zu einem Social Network dar, das wegen seiner Privacy-Regeln immer wieder zu reden gibt.

  • drucken
  • versenden

Facebook macht es einem immer leichter, zum datenschutzsensiblen Bürger zu mutieren. Die Zuckerbergsche Freundschaftsschmiede kommt zunehmend in den Verruf, es nicht ganz so ernst mit den privaten Daten ihrer Anwender zu meinen, und das von Anfang an. Dabei ist es doch ganz einfach, sich um etwas auf Facebook zu kümmern, das einem eigentlich ungefragt zustehen müsste. Zwischen 300 und 400 Mausklicks sollten dazu genügen. Und dann wird das schon stimmen. Sagen die von Facebook.

Das mag man dramatisch nehmen oder ignorieren, weil man seine Einträge in Facebook eigentlich eh nur einem automatischen Ausfüllbot überlässt. Für ersteres stellt sich allerdings eine Frage, wie sicher man sich seiner eigenen Daten sein kann und ob man die zum Teil initimen Einsichten in sein eigenes Leben jedem Werbekunden verhökert sehen will.

Deshalb mehren sich die Stimmen derer, die für ein Verlassen des Networks plädieren. Nichts wie raus. Wohin? Keine Ahnung, aber raus. Die Party wird sich schon woanders finden. Notfalls auf Flickr (haha) oder auf Live von Microsoft (hahaha).

Kann man machen. Muss man aber nicht. Die subtilere Variante sei vorgeschlagen, mit dem eigenen Namen eine Menge an Accounts zu eröffnen und sie mit dermassen viel Blödsinn vollzuladen, dass es zwar den eigenen Freunden immer noch einsichtig wäre, welcher Harald Meier denn nun der echte wäre und welcher nicht, dass aber Werbetreibende einfach nicht überzeugt davon sind, unter den gekauften IT-Entscheider-Datensätzen 90 Prozent mit einer Vorliebe für pinke Eisbären zu finden.

Facebook kann nur so erfolgreich die Daten verkaufen, wie das Vertrauen der Werbekunden darin bestehen bleibt. Und die Inflation von unzusammenhängenden Einträgen macht solche Datensätze wehrlos. Das ist vielleicht nicht besonders nett oder für Facebook-Kunden einfach. Aber zumindest dürfte es den Unterhaltungswert von aktuellen Einträgen auch ein wenig heben. So, und jetzt schliesse ich Freundschaften mit allen pinken Eisbären. Die wissen schon warum.

http://www.heise.de/tp/blogs/4/147622
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS