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03.12.2012Neben der Spur
Taglinger klickt neben der Spur

Die einen nennen es Freiheit

Es kommt darauf an, welche Daten man einander zuordnet. Der Arabische Frühling könnte nämlich auch ganz andere Ursachen als die Suche nach politischer Freiheit haben.

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Mag ja für die banal sein, die noch das schöne Zitat vom Volk, das doch Kuchen essen soll, zuordnen können. Und nicht ganz vergessen werden soll, dass im München der bürgerlichen Revolution ein Aufstand wegen der Bierpreise ausbracht. Essen ist ein Revolutionsgrund.

Und Facebook oder Twitter könnten weit weniger zur Ausbreitung der Revolutionen beigetragen haben, als man zumindest immer mal wieder gerne annimmt.

Denn die Ausarbeitung dreier Wissenschaftler lässt für den Arabischen Frühling plötzlich einen ganz anderen Schluss als den bisher immer so gerne angeführten zu. Es ging vielleicht bei den Erhebungen im Yemen, in Bahrain, in Ägypten und auch in Libyen nicht primär um die Durchsetzung von Freiheitsrechten. Der Index für Lebensmittelpreise in diesen Regionen, wie auch in anderen, in denen es zu diesen Zeiten Aufstände gab, zeigt einen sehr einfachen Zusammenhang auf, der mehr als eine Scheinkorrelation darstellt. Die Preise für Essen sind es gewesen. Vor allem dann, wenn viel zu teure Lebensmittel in einer Bevölkerung mit einem sehr hohen Anteil an Jugendlichen für Not sorgen. Das hat das alte System zu Fall gebracht.

Die ausbrechenden Unruhen könnten sich, so wäre dann der Umkehrschluss, in diesen Ländern oder ähnlichen Systemen leicht wiederholen, sobald die Preise wieder anziehen. Brutal gesagt (und nicht überraschend): Ein voller Magen kann auf Freiheit verzichten. Oder wie es mein alter Freund Ulrich einmal rückblickend für die DDR versucht hat zu analysieren: Zu saufen und fressen war immer da. Dann war da Ruhe.

Seit dem Sommer reissen die Meldungen über hohe Lebensmittelpreise nicht ab. Man erwartet einen Anstieg auf das Niveau von vor vier Jahren. Da sich die verfügbare landwirtschaftliche Nutzfläche pro Kopf der Weltbevölkerung von 5000 Quadratmetern im Jahr 1950 auf unter 2000 Quadratmeter im Jahr 2025 reduzieren wird, lassen sich weitere Steigerungen des Lebenmittelpreisindexes von unter 90 im Jahr 2002 aud über 200 im Jahr 2012 und weiter nach oben in Zukunft voraussagen.

Auch wenn Effekte der Spekulation auf diesen Index vielleicht ein wenig komplizierter zu bewerten sind als der fette Kapitalist lebt vom armen Bauern: Was sich im Nahen Osten zu einem Arabischen Frühling verklären lässt, könnte der Anfang dessen gewesen sein, was in den nächsten Jahren vor allem in Asien zu erwarten ist, wo mehr als eine halbe Milliarde Menschen hungert und jede Preiserhöhung der Grundnahrungsmittel als Katastrophe erlebt. Demnächst mehr in Facebook oder Twitter.

http://www.heise.de/tp/blogs/4/153256
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