Die neuen Regelungen zur Telekommunikation sind vorläufig abgewendet. Man war sich "der Brisanz einiger Vorschläge nicht bewusst", heisst es von Seiten der Verantwortlichen
Zeit sich wieder eine "das Schlimmste wurde verhindert"-Medaille an die schmerzende Brust zu heften. Heisst es doch beim Thema "Telekommunikationsregelungen":
"Die Proteste von Bürgerrechtlern seien bei dem nun in den Ausschüssen erreichten Ergebnis hilfreich gewesen, da viele Parlamentarier ohne diese die Brisanz einzelner Änderungsvorschläge nicht bemerkt hätten."
Das lässt einem doch das Herz aufgehen, wenn im Planschbecken der EU-Politik, vor den Augen des staunenden Publikums, die Seehunde "Fachgremien", "EU-Parlament", "EU-Kommission" und "Lobbyisten" ölgetränkt die Kritik an sich abperlen lassen, während sie sich "Unwissenheit" örkend den Ball selben Namens zuspielen. Immerhin durfte der Bürgerrechtler wieder den Erklärbär geben. Stellt sich die Frage, ob demnächst derjenige, der beim Einbürgerungstest durchfällt, weil er nicht weiss, bis zu welchem Lebensjahr die Eltern im Land, das zwischen Staat und Kirche trennt, darüber entscheiden dürfen, ob Kindchen nun von Buddha, Allah oder doch nur von dem hören soll, der Wasser in Wein verwandelte (vielleicht wusste dieser, dass manche Dinge später nur im betrunkenen Zustand erträglich werden?), dann auch einen Erklärbär bekommt. Weil ihm die Brisanz seines Tests nicht klar war.
Aber Don Bürgerrechtler kann weiterhin sein edles Ross, fast totgeritten, weiter antreiben, auch wenn Rosinante Datenschutz schon kaum mehr fähig ist, sich aufzurichten unter der Last all der Sicherheitspakete, die in die Satteltaschen gepackt werden. Der Bürgerrechtler hält mühsam die Lanze des Protestes hoch, um gegen die Windmühlen der Sicherheitsgesetze anzugehen, deren Flügel sich im Wind der Panik immer schneller drehen, bereit, dem Protestross das Köpfchen abzuschlagen -, auf dass dieses wie einst bei "Der Pate" im Bett eines Filmmoguls landet, der diesmal sicherlich weniger entsetzt als entzückt ist.
Ja, Ross und Reiter sollen nicht nur genannt werden, sie bräuchten auch Essen. Aber die Futtertröge der Solidarität sind längst leer. Leergefressen von jenen, die meinen, dass Ross und Reiter gefälligst erst einmal kapitatistisch-brav sich dem Kampf um den Mammom widmen sollen, bevor sie sich aus lauter Faulheit dem Kampf um Menschenrechte widmen, und der Wassereimer dient jetzt noch gerade einmal als Abort für die, die als zukünftige Lebensmittelgutschein-Jobber eine alte Melodei mit neuem Text anstimmen und singen:
"Verloren alle Daten
Verkauft und auch verraten
sind wir",
während mit dem Linsengericht namens Existenzminimum ihnen ihr Würdegeborenenrecht samt Freizügigkeit, Privatsphäre und Datenschutz abgekauft wird.
Wie den Katzen, die zuviel an den Wänden kratzen, hat man den streunenden und von den Flöhen der neuen Gesetze befallenen Streunern draussen die Krallen der Wut gekürzt. Mit euphemistisch bezeichneter humaner Narkose, die im Endeffekt doch nur der Schlag auf den Kopf mit dem Hammer des Totschlagargumentes "nur wer arbeiten will..." war, damit sie nicht auf die Idee kommen, die plakatierbaren Stellen des Landes von den bunt schillernden Werbeplakaten der E-Partizipation zu befreien, damit darunter die in wütenden Farben von irgendwelchen Schmierfinken aufgeschriebenen Latrinenparolen wie "Wir sind das Volk" oder "Alle Macht geht vom Volke aus" zu sehen sind.
Und ähnlich den Erynnien tritt der Chor jener auf, die unermüdlich nach direkter Demokratie rufen. Während um sie herum die Cheerleader der parlamentarischen Demokratie mit den in warnendem Rot gehaltenen Pompons herumwedeln, die das Ende der Welt andeuten, wenn der gemeine Pöbel denn mehr Mitspracherecht als das fordert, alle vier Jahre nach dem Erhalt der Parteirose und des Parteisektes sein Kreuzchen mit dem Kreuz zu erledigen oder aber im Treibsand der Realpolitik reglos zu verharren, auf dass man nicht im "ich wollte ja aber ich kann nicht" untergeht.
Doch der Ruf nach direkter Demokratie verhallt nicht, auch wenn Warnungen noch so kreischend ertönen und die direkte Demokratie sollte so direkt sein wie ein Tritt in die Eier derjenigen, die offensichtlich keine mehr haben.
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