Schau mal in die Kugel, Kleines
Fast täglich grüsst das "Datenpannen-Murmeltier". Und im gleichen Takt erfolgen die beruhigenden Entwarnungen, die eigentlich eher beunruhigend sind.
Ob Kundendaten der Magentafarbenen oder Patientendaten - eines eint die Daten, auf die unbefugt Zugriff genommen wurden: sie werden stets wieder eingesammelt und somit die Zeit auf "vor dem Zugriff" zurückgesetzt. Zumindest medial, wenn man sich die Presseerklärungen so anhört. Da werden Internetdatenbörsen beobachtet und wenn die Daten dort nicht auftauchen, sieht man dies als Zeichen dafür an, dass die Daten nicht angeboten/verkauft werden/worden sind; da werden Daten "sichergestellt" oder es heisst, wie jetzt im Fall der im Internet aufgetauchten Patientendaten: Klinik X ist nicht betroffen.
Da man davon ausgehen kann, dass zumindest ein paar Leute, die mir derart privaten Daten zu tun haben, rudimentäre Kenntnisse über die Natur der Daten besitzen, bleibt eigentlich nur eine Schlussfolgerung: man hält den Rest der Bevölkerung für so blöd, dass man einfach munter den letzen Unsinn faselt und sich denkt: "Die glauben das doch sowieso." Bisheriger Höhepunkt dieser Argumentation, so man sie so nennen kann, ist die Meldung zum Thema Patiendaten. Für diejenigen, die es noch nicht gelesen haben, eine kurze Schilderung der Ereignisse. Das Deutsche Mikrofilminstitut (DMI) erhält Patientenakten zur Digitalisierung. Aus Kapazitätsgründen werden diese in einer Messehalle aufbewahrt, zu der sich allen Anschein nach ein Mitarbeiter eines Konkurrenten Zugriff verschafft. Dieser fertigt Photos von Dokumenten an und stellt einige davon ins Internet. Nach Kenntnis dieses Sachverhaltes sorgt das DMI dafür, dass der Zugriff auf diese Daten nicht mehr möglich ist - die Publizierung wurde gestoppt.
Und was bedeutet das? Es bedeutet, dass das DMI verlautbaren lässt: "Die Veröffentlichung von Dokumenten mit personenbezogenen Daten im Internet betraf sechs einzelne Seiten aus fünf Patientenakten und wurde auf unser Einschreiten hin bereits am Freitag - wenige Stunden nach Publizierung der Daten - gestoppt"
Wie auch die Magentanen lächelt man also hold in die Kamera und gibt "Fakten" von sich, bei denen man sich fragt ob die Verantwortlichen wohl im Pressebüro eine Dame mit goldenen Kreolen und einer Glaskugel befragen. Die Veröffentlichung, _von der man bisher erfahren hat_, betraf sechs einzelne Seiten aus fünf Patientenakten. Und gestoppt wurde lediglich die __bisher bekannte_ Veröffentlichung. Ob in Wirklichkeit noch zig andere Akten abfotografiert wurden, ob die Daten bereits per P2P, ftp oder wie auch immer ausgetauscht werden - wer kann das wissen? Und wer kann wissen ob nicht viel mehr Daten so erlangt wurden?
Das DMI meint es zu wissen und starrt somit in die magische Glaskugel um zu wissen, was sie nicht wissen kann, wiederholt mantraartig, dass alles nicht so schlimm ist (nur sechs Seiten! Nur fünf Akten!) und man alles im Griff hat. Laut DMI ist es wahrscheinlich, dass ein Konkurrent dem DMI schaden und das Vertrauen in das Institut untergraben wollte. Das ist ihm ohne Zweifel gelungen, doch auch wenn man das kriminelle Verhalten nicht gutheissen sollte, so stellt sich doch die Frage, wer hier den Vertrauensverlust zu verantworten hat. Wenn es so simpel ist, an Patientenakten zu kommen, dann ist die Antwort klar - die Freuden des Outsourcing wieder einmal live und in Farbe. Solche Vorfälle machen immer mehr Lust auf die Vorratsdatenspeicherung und die elektronische Gesundheitskarte und Co.
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