Weltpädojäger - oder: die Kritiker der Elche
Fanatischer "Pädojäger" entpuppt sich als vorbestrafter Sexualstraftäter, der nur durch Justizschlampereien wieder freigelassen wurde.
Wer mit einer bestimmten Form von Kinder- oder Jugendschützern schon einmal zu tun hatte, weiß, wie wichtig Pseudonyme sind. Schnell werden Menschen verleumdet oder beleidigt, auch vor der Information an den Arbeitgeber schreckt man nicht zurück. Da heißt es dann schon einmal vorschnell, dass man Kindervergewaltigung gutheißt oder verharmlost - oder dergleichen mehr.
Sich gegen solcherlei Anschuldigungen zu wehren, ist harte Arbeit, und wenn auf juristische Weise festgestellt wurde, dass an den Worten des Verleumders nichts dran war, dann geht eigentlich erst die Arbeit los, die fast nicht zu bewältigen ist. Denn es gilt, Menschen klarzumachen, dass die Justiz nicht etwa falsch gehandelt hat, sondern tatsächlich die Beschuldigungen falsch waren. Wie aber soll man dies beweisen? Unschuldsbeweise sind, gerade beim Thema Kinderpornografie, ein Ding der Unmöglichkeit, und sie interessieren auch nicht mehr, wurde einmal ein Gerücht in die Welt gesetzt.
Interessant ist daher die Meldung, die ich heute lesen konnte: In Viersen gibt es momentan einen kleinen "Aufstand", weil ein Sexualstraftäter auf freiem Fuß ist.
So heißt es in der Meldung des Express: Günter B. (58), der freigelassene mutmaßliche Kinderschänder. Im Internet und vor Bekannten spielte er den Kinderschützer.
Er gründete sogar einen Verein zur Jagd auf Pädophile. Dabei war er einschlägig vorbestraft, kommt wahrscheinlich in der zweite Augusthälfte erneut wegen 19-fachen Missbrauchs junger Mädchen vor Gericht.
Doch wegen "überlanger Dauer der Untersuchungshaft" kam B., der neun Monate einsaß, erstmal frei. Die Ermittlungen in Mönchengladbach dauerten zu lang. Das Oberlandesgericht Düsseldorf ließ ihn frei. Axel Stahl von der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, die nun ermittelt, erklärt: "Es geht nicht um öffentliche Schuldzuweisungen. Aber es liegt nahe, dass Fehler passiert sind."
"Bereits vor zwei Jahren hatte Karin R.(die Hausmeisterin im Haus, in dem Günter B. wohnte) darauf aufmerksam gemacht", berichtet RP-Online, "dass B. auf seinem Rechner die Bilder halb nackter Kinder gespeichert habe. "Damals hat die Polizei sofort reagiert und drei Computer bei ihm rausgeholt. Mir hat B. erzählt, dass er als 'Pädophilen-Hunter' arbeite und mir sogar eine entsprechende Visitenkarte gezeigt."
Der (Welt)Pädophilen-Hunter ist vielen, die sich kritisch mit dem Thema auseinandersetzten, durchaus ein Begriff. Vehement griff er Kritiker an, lamentierte über Justizirrtümer etc. Und profitiert nun seinerseits von den Tücken des Gesetzes, so Der Westen:
"Schon vor elf Monaten informierte der Kinderschutzbund das Jugendamt über den "falschen Fuffziger", der regelmäßig Kinder ansprach. Kurz darauf gab die Behörde Entwarnung: "Die Sache hat sich erledigt. B. sitzt." Damit ist es vorbei: Nach einer Schlamperei der Justiz ist B. wieder frei. Der Skandal um die Entlassung des mehrfach vorbestraften Kinderschänders aus der U-Haft hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Laut Gesetz hatte das OLG Düsseldorf aber keine Wahl: Obwohl die Richter ausdrücklich Fluchtgefahr für B. sehen, mussten sie ihn freilassen, weil die U-Haft nicht länger als sechs Monate dauern darf. [...] Laut Gutachten ist B. ein gefährlicher Pädophiler. Wiederholt war B. wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verurteilt worden - auch zwei Brüder sind wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in der Psychiatrie untergebracht."
Ich für meinen Teil bin froh, dass jetzt ein Fanatiker weniger mir im Nacken sitzt. Sicher, es wird mir nichts nutzen (siehe Einleitung), aber trotzdem... Bedrückend finde ich allerdings, wie sehr sich bewahrheitet hat, dass gerade unter den fanatischen xy-Schützern sich jene finden, die das, was sie zu bekämpfen vorgeben, in Wirklichkeit gutheißen und mehr. Dabei scheinen sie dann so weit von sich ablenken zu wollen, dass andere auf der Strecke bleiben. So schafft man dann neue Opfer.
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