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Tarantinos Kinolektionen

Vom Geist des Kinos, der über Dinge lachen läßt, die eigentlich nicht lustig sind

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"Leçon du Cinema", Kinolektion, heißt eine Institution bei den Filmfestspielen von Cannes, zu der jeweils einer der Lieblinge des Festivals gebeten wird, um sein Verständnis vom Filmemachen und vom Kino, vom Geist des Mediums - unübersetzbar "Cinema" genannt - zu erläutern.

Diesmal also Tarantino, der hier 1994 völlig überraschend mit "Pulp Fiction" die Goldene Palme gewann, inzwischen ein Familienmitglied, der ähnlich wie Fatih Akin vom Festival quasi adoptiert wurde, und wenn er mal nicht, wie 2007, mit einem Film da ist, dann sitzt er eben in einer Jury oder hält eine Lecon du Cinema. 2004 präsidierte Tarantino selbst in der Wettbewerbsjury, damals gewann Michael Moore mit "Fahrenheit 9/11", tarantinoesker wirkte damals der zweitwichtigste Preis für "Old Boy" aus Korea und zwei weitere Preise fürs asiatische Kino. Solche Filme, so etwas wie "Pulp Fiction", wünscht man sich auch im diesjährigen, heute Abend zuende gehenden Wettbewerb, der zwar insgesamt ein gutes Niveau hat, aber mit eher bleiernen, düsteren oder den Arthouse-Konventionen entsprechenden Filmen aufwartet.

Da kam Tarantino ganz recht. Gleich zu Beginn im riesengroßen, aber vollbesetzten Debussy-Saal erinnerte er an seine Jahre im Video-Store, an seine Liebe zu C, D und manchmal auch Z-Movies. Das Kino stammt vom Jahrmarkt ab, ist irgendwie immer noch Zirkus und Travestie - das sagt sich so gern, bei Tarantino stimmt es. Um das zu begreifen, muss man nur einmal hingucken, wie der Mann da auf der Bühne steht - energiegeladen, gestikulierend, ein Mensch, dem man - im Gegensatz zu so verhaltenen Geschäftsleuten wie Spielberg oder Wenders, die auch immer von Leidenschaft reden - seine Gefühle sofort abnimmt.

"Alle meine Filme sind Komödien" sagte er, und das wichtigste an diesem Satz ist natürlich die Mitteilung, man solle alles bitte nicht so ernst nehmen. Aber es gehe auch darum, seine Vorurteile abzulegen:

"Die Leute sollen über Dinge lachen, über die sie noch nie gelacht haben - weil sie eigentlich nicht lustig sind."

Dann redete er von Godard und Rohmer, lobte die Franzosen und auch das war mehr als nur eine Verbeugung vor dem Gastgeber, es machte nebenbei allen seinen Fans klar, dass Kino auch da Spaß machen kann, wo es anstrengend ist und keine Blutfontänen an die Decke spritzen.

Auch sonst gab sich Tarantino als Mutmacher: Filmhochschulen brauche man nicht rief er angehenden Filmemachern, lieber solle man das Geld gleich in den ersten eigenen Film stecken.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/108421
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