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Ohne Ampeln und Schilder "kehrt Frieden auf den Straßen ein"

Verkehrswissenschaftler Monheim plädiert für eine Deregulierung des Verkehrs, der als "soziales System" funktionieren soll.

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Im Straßenverkehr ist aggressives Verhalten häufig. Das, so der Verkehrswissenschaftler und Geograf Heiner Monheim von der Universität Trier in einem Interview mit dem Deutschlandradio, hängt zumindest auch vom Verkehrssystem ab, das Missverständnisse begünstigt. Die Menschen seien nämlich nicht eigentlich aggressiv, aber sie würden blind auf die Verkehrsregeln vertrauen und davon ausgehen, dass im Prinzip niemand Fehler macht. Das aber sei falsch und führe auch zu zahlreichen Unfällen. Vermutlich meinen viele Verkehrteilnehmer auch, könnte man hinzufügen, sie müssten und dürften ihr Recht mitunter auch durch Drängeln und anderes aggressives Verhalten durchsetzen.

Monheim plädiert dafür, nicht nur in Fußgängerbereichen oder verkehrsberuhigten Anwohnerzonen, sondern auf allen Straßen einen regelungsfreien Straßenverkehr ohne Schilder und Ampeln einzuführen. Gegen die neue Freiheit auf den Straßen würde sich vor allem die Juristen- und Versicherungslobby zu Wehr setzen, besonders die Juristen würden Menschen "abgrundtief" misstrauen und alles mit Paragrafen regeln wollen. Auch die Autolobby sei ein Hindernis, weil mit der Einführung des "Shared Space"-Konzepts, bei dem die Verkehrteilnehmer ihr Verhalten unter sich regeln, der bislang beanspruchte Vorrang des Autoverkehrs beendet würde:

"Deregulierung ist angesagt. Unser Moralverhalten, das wird auch nicht mehr von der Kirche geregelt. Wir sind Individualisten geworden, wir wollen Freiheiten haben. Der Autoverkehr ist eine einzige Freiheitsberaubung geworden. Am schlimmsten sind natürlich die armen Fußgänger dran, denen alle Freiheiten genommen worden sind."

Setze man hingegen das Verkehrssystem als "soziales System" um und verstehe den Menschen nicht mehr als "Raubtier", kehre "Friede ein auf deutschen Straßen“, verspricht Monheim, wird damit allerdings auf einige Skepsis stoßen. Er weist allerdings auf erste positive Untersuchungsergebnisse zu „Shared Space“-Gebieten in den Niederlanden und Großbritannien hin.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/108656
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