Schlechte Vorführer oder ein "Kopierschutz"?
Tonaussetzer im neuen "Indiana Jones"-Film könnten ein digitales Wasserzeichen sein
Fluch und Segen der Multiplex-Kinos: Es läuft fast das gesamte aktuelle Kinoprogramm in einem Haus. Zehn Säle werden gleichzeitig bespielt, mindestens fünf davon sind riesig, und alle sind mit aufwendigen Soundsystemen ausgestattet. Die Kehrseite: Oft ist nur ein einziger Filmvorführer am Werk, eine zentrale Lage des Vorführraums (z.B. mit den Sälen sternförmig darum angeordnet) macht es "möglich". Und dann ist er vielleicht auch noch schlecht ausgebildet, kann das Equipment nur notdürftig bedienen.
Kein Wunder, dass ein Blockbuster wie "Indiana Jones" - der naturgemäß einen Großteil seines Publikums in den Multiplexen findet - eine Häufung von Beschwerden über schlechte Vorführqualität hervorruft. Oder trifft den Vorführer gar keine Schuld? gulli berichtet, dass Paramount Tonaussetzer in die in Deutschland und USA kursierenden Kopien eingefügt hat - und natürlich verzeichnet hat, welches Kino an welcher Stelle im Film die fehlerhafte Tonspur abbekommen hat. Ein primitives Wasserzeichen also - zu Lasten des zahlenden Publikums.
Andererseits: Neben der Publikumsgängelung ist mal wieder auch die Wirksamkeit eines solchen Verfahrens fraglich. Natürlich könnte Paramount damit eingrenzen, in welchem Kino die Tonaufnahme einer Raubkopie entstand. Einen gerichtlichen Beweiswert dürfte dieser Beleg allerdings kaum haben - schränkt er doch einen etwaigen Verdächtigenkreis auf immer noch gut tausend Leute ein. Eine Ente also? Dafür spricht zum Beispiel das Dementi eines Kinobetreibers, und auch die eigene, sehr subjektive Überzeugung des Autors dieser Zeilen, im Kino keinen Tonaussetzer bemerkt zu haben.
Licht ins Dunkel bringt vielleicht dieser Blogeintrag. Demzufolge seien die Tonaussetzer zwar tatsächlich auf ein Wasserzeichen zurückzuführen, aber nicht das Wasserzeichen selbst. Stattdessen "nur" ein für Kopierschutzmechanismen typischer Kompatibilitätskonflikt. Klingt plausibel, zumal ein solches Wasserzeichen sich wohl in erster Linie in einer digitalen Direktkopie von der Kinotonspur zeigen würde - zu der nur Mitarbeiter des Kinos Zugang haben dürften. Interessant in all der Misere ist aber doch, wie schnell das Publikum bereit ist, jede noch so abstruse Kopierschutz-Gängelung seitens der Industrie für glaubwürdig zu halten. Offensichtlich sind wir bereits einiges gewöhnt. Ab sofort dann, bei jedem Filmriss, die Paranoia: Der Verleih schaut zu. Rosige Zeiten für die Filmvorführer, sie dürfen sich jetzt wieder alles erlauben.
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