Gefängniseinbrecher und Sitzenbleiber
Tausende von britischen Häftlingen bleiben lieber im Gefängnis als unter Auflagen vorzeitig entlassen zu werden.
In Großbritannien wird über Zahlen diskutiert, die das Justizministerium am Dienstag bekannt gegeben hat. Die Zahl der Gefängnisinsassen steigt kontinuierlich und lag im April bei 82.797, 2 Prozent mehr als letztes Jahr. In England und Wales sind 2007 142 Personen pro 100.000 Einwohner eingesperrt gewesen (zum Vergleich: USA: 714, Deutschland: 96).
Aber nicht das erregt die Gemüter, sondern die Tatsache, dass zwischen 1999 und 2006 37.000 Häftlinge verzichtet haben, vorzeitig unter Auflagen entlassen zu werden und lieber im Gefängnis geblieben sind. Dazu kommt noch eher als Anekdote, dass zwischen 2003 und 2008 42 Personen entdeckt wurden, die in ein Gefängnis einbrechen wollten. Die Gefängniseinbrüche sind von 5 (2003-2004) auf 19 (2007) gestiegen. Offenbar handelt es sich bei diesen Einbrechern in meist offene Gefängnis vor allem um Drogendealer und Prostituierte. Andere weisen darauf hin, dass es auch Menschen sein könnten, die etwa nach langen Haftstrafen draußen nicht mehr zurechtkommen.
Dass so viele Häftlinge lieber ihre Zeit ganz absitzen, als vorzeitig in die Freiheit zu gelangen, lässt manche vermuten, dass es den Gefangenen einfach zu gut gehe und für sie das Leben außerhalb der Mauern möglicherweise beschwerlicher sei. Das Gefängnis also als eine Art beschütztes Hotel, in dem man gut versorgt wird: expensive bed and breakfasts, so etwa der Telegraph oder die Times: state-run B&B lodging, für den Staat teure Pensionen also.
Nicht nur Journalisten machen sich ihre Gedanken. Glyn Travis, der stellvertretende Generalsekretär der Prison Officers' Association, meinte, es müsse etwas falsch in der Gesellschaft laufen, wenn Menschen in Gefängnisse einbrechen, um Drogen zu bringen, während die Gefängnisinsassen selbst drinnen ganz zufrieden seien: "Häftlinge erhalten Lohn für die Gefängniszeit, sie bekommen ein Bett, haben Fernseher in allen Zellen, in den Aufenthaltsräumen Satellitenfernseher, kostenlose Telefone, zu vielen Gelegenheit Frühstück ans Bett und Geldvergütungen für gutes Verhalten. Und die Gefängniswärter sind dazu gezwungen, mit ihnen unterwürfig umzugehen. Das ist lächerlich." Man merkt, hier hat es jemand eher mit dem Strafen.
Unter den Kommentaoren zu den Artikel findet man erwartungsgemäß solche, in denen gesagt wird, dass Gefängnisse schließlich keine Hotels seien, sondern zur Strafe dienen. Ein Kommentator merkt allerdings an: "they have probably realised that britain feels more like a jail on the outside of a prison! all courtesy of a labour gubbermint!"
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