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In der "Liga der Volltrottel"

Geheimdienstkomödie und Geschlechterdrama - die Coen-Brüder eröffnen die Filmfestspiele von Venedig mit einem Film über die Idiotie der Gegenwart

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"Was haben wir gelernt? Den gleichen Fehler nicht zweimal zu machen. Aber was haben wir eigentlich falsch gemacht?". Diese letzten Sätze im neuen Film der Coen-Brüder ("Fargo", "No Country for old men") sind ein Lacher. Denn sie kommen aus dem Munde eines leitenden Geheimdienstlers, nachdem man der CIA knapp zwei Stunden dabei zuschauen konnte, wie sie wieder mal einen Fehler nach dem anderen macht.

Der Film "Burn after Reading", mit dem am Mittwochabend die diesjährigen Filmfestspiele von Venedig eröffnet wurden, ist eine Art Verfilmung von "Murphys Law". Man könnte auch sagen: Ein Film über das Leben. Jedenfalls eine handwerklich virtuos inszenierte, ziemlich alberne Geheimdienstkomödie. Und dabei auch eine Komödie moderner Geschlechterbeziehungen. Und von Anfang an geht hier jedenfalls schief, was schief gehen kann.

Ein einer Art Google-Earth-Zoom rast das Bild aus dem Weltall auf das CIA-Hauptquartier bei Washington zu. Der CIA-Beamte Osborne Cox (John Malkovitch) wird versetzt, weil er angeblich ein Alkoholproblem habe (Schöner Dialog: "You have a drinking problem." - "I have a drinking problem? You are a mormon. Next to you we all have a drinking problem."). Er kündigt spontan, wir sehen ihn zuhause bei seiner eiskalten Frau (Tilda Swinton), die sobald Ebbe in Haushaltskasse droht, an Scheidung denkt. Bei einer Party am Abend lernen wir ihren Geliebten kennen, Harry Pfarrer (George Cloony), ebenfalls CIA-Agent und mit einer wesentlich erfolgreichen Kinderbuchautorin verheiratet.

Als zwei Mitarbeiter eines Fitnessstudios mit dem schönen Namen "hardbodies" - Frances McDormand als alternde Alleinstehende auf Männerfang, die verzweifelt das Geld für Schönheitsoperationen zusammenzukratzen versucht, und Brad Pitt als vertrottelter Schönling - über ein paar Zufälle in den Besitz von einer CD mit Cox' Geheimdienstakten kommen, und versuchen, den Ex-Agenten zu erpressen, spitzen sich die Dinge schnell zu…

"Burn after Reading", der bereits Anfang Oktober in die deutschen Kinos kommt, ist eine sarkastische, überdrehte Komödie der Irrungen und der menschlichen Schwächen; und Starkino der alten Schule mit viel Dialogwitz und genug Substanz, um ein Festival dieser Dimension angemessen zu eröffnen.

Und unter der komischen Oberfläche ist die Coen-Sicht auf das menschliche Beziehungsleben dann gar nicht mehr so witzig, sondern recht düster und pessimistisch: Keine Ehe ist glücklich, die Männer sind durchweg Schwätzer, Vollidioten, uninteressant und angeberisch, die Frauen stärker, erfolgreicher, dem "starken Geschlecht" überlegen. Und auch Woody Allens mörderische Komödie "Husbands and Wives" kommt einem in den Sinn.

Alles in allem ist das Thema des Films die allgemeine Verblödung und Infantilisierung: In einer Szene sagt Cox/Malkovitch dem Westentaschenerpresser Pitt die Meinnung: "Du repräsentierst die Idiotie der Gegenwart. Die Liga der Volltrottel." So etwas möchte man doch gern öfters im Kino sehen.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/115023
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