Hossein Derakhshan in Iran festgenommen
Dem bekanntesten iranischen Blogger wird "Spionage für Israel" vorgeworfen
Vor nicht allzu langer Zeit war er eine Berühmtheit, sein Name tauchte mindestens einmal pro Woche in einer der großen Zeitungen der westlichen Welt auf. Es war die Zeit, als Blogger als neues Medienphänomen entdeckt wurden und keiner mit einer größeren Zahl imponieren konnte als die iranische Blogosphäre mit ihren angeblich über 100.000 Bloggern. Und Hossein Derakhshan wurde immer als ihr "Godfather" bezeichnet, der Mann, der die Bewegung inspiriert hatte und sie bekannt gemacht hat. Sein Blog "Editor: Myself" war Anlaufstation für viele, die sich das neue journalistische Konzept anschauen wollten und dort Neues und Hintergründe über Entwicklungen in Iran auf eine Weise erfahren wollten, die es woanders nicht gab.
Vergangene Woche wurde Derakshan in Iran festgenommen und kaum einer nimmt es zur Kenntnis. Ob es daran liegt, dass Iran die Festnahme des Bloggers mit der kanadischen und iranischen Staatsbürgerschaft offiziell noch nicht bestätigt hat?: Bislang kommt prominente Unterstützung für Derakhshan vor allem aus der Comment is Free-Section des Guardian.
Dabei droht dem Exiliraner, der zurückkehren wollte in seine alte Heimat, eine harte Strafe. Der Vorwurf lautet "Spionage für Israel". Ein bloßer Vorwand, so der Verdacht, der sich bei solchen phrasierten Anklagen unweigerlich einstellt. Derakhshan hat immer wieder kritisch über die Mullahs in Iran berichtet und er hat, was eine kleine Sensation war, als iranischer Blogger Israel besucht und Land und Menschen in seinem Blog sympathisch dargestellt, was sicher für nicht wenige in Iran ein unwillkommener Tabubruch, Verrat und Verbrechen war. Man weiß, dass Veröffentlichungen von Exiliranern in Teheran genau registriert werden.
Schon einmal, um die letzte Präsidentschaftswahl vor Ort zu begleiten, hatte es der in Kanada lebende Blogger gewagt, in sein Heimatland zu reisen. Schon damals befürchtete er Schlimmes, aber er kam mit einem stundenlangen Verhör davon. Diesmal wurde er festgenommen und die Anklage läßt das Allerschlimmste ahnen. Welcher Geist im gegenwärtigen Iran herrscht, wird man nicht zuletzt daran sehen können, wie man dort mit dem unbequemen Blogger umgeht.
Hossein Derakshan ist ein schwieriger Fall und seine politischen Positionen sind selbst bei seinen Freunden umstritten (ausführliche Informationen zu Fall und Personen hier). Seinen zum Teil sehr eigenwilligen Positionswechseln - er entdeckte immer mehr Sympathien für Ahmadinedschad und distanzierte sich zunehmend deutlicher von westlichen Positionen - und Abweichungen vom Gängigen dürfte es mit zu verdanken sein, dass er im Westen zuletzt kein Medienstar mehr war (siehe dazu Wer Regimekritiker ist, bestimmen wir!). Vergessen darf man ihn jetzt aber nicht.
Darstellungsbreite ändern
Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.
