k
Nachrichten aus Kultur und Medien

Bagdad: Bush mit Schuhen beworfen

Eklat bei der Abschiedspressekonferenz des US-Präsidenten. Update

  • drucken
  • versenden

Es hätte schlimmer kommen können: US-Präsident George W. Bush besucht Bagdad und wird von einem "Aufständischen" beworfen! Allerdings nicht mit einer Granate, sondern mit einem Paar Schuhe. Und der Aufständische war dies auch nur adjektivisch - im althergebrachten Gebrauch, bevor das Wort durch die Insurgency sonderbare Verwendung gefunden hat: ein aufständischer Journalist, der bei der sonntäglichen Abschieds-Pressekonferenz des scheidenden Präsidenten für einen Eklat sorgte, mit einer raschen Folge sehr gut gezielter Schuhwürfe (Video) und den Worten (in arabisch): "Das ist ein Abschied...du Hund!" und später, als er abgeführt wurde: "Du hast die Iraker getötet". Bush musste sich schnell ducken. Die in dieser Situation gar nicht lahme Ente reagierte dazu schlagfertig wie ein Standup-Comedian:

"Das war ein Schuh der Größe zehn, den er nach mir geworfen hat, falls Sie das wissen möchten."

Laut CNN hörte man im Hintergrund noch den abgeführten Journalisten al-Zaidi in einem anderen Raum schreien. Muntadhar al-Zaidi, so der amerikanische Sender, sei ein irakischer Journalist, der für al-Baghdadia TV arbeite. Al-Zaidi war im November 2007 entführt worden und drei Tage später entlassen. US-Präsident Bush nutzte den Vorfall, um die anderen anwesenden Pressevertreter wieder einmal auf die Vorzüge der neuerlangten Freiheiten im Irak hinzuweisen.

Die Pressekonferenz hatte die anstehende Unterzeichnung der Sicherheitsvereinbarungen zum Thema. Bush war zum vierten Mal im Irak und zum ersten Mal außerhalb der grünen Zone, um Präsident Talabanis in seinem Palast außerhalb der "Green Zone" zu besuchen. Am Ende gab es Lob von beiden Seiten. Talabani lobte Bush als "Befreier" und "großen Freund Iraks" und Bush lobte Talabani und dessen Vizepräsidenten für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen.

Ergänzung:

Laut AFP hat ein ehemaliger Anwalt von Saddam Hussein angeboten, die Verteidigung des Journalisten zu übernehmen. Nach seinen Aussagen hätten außer ihm "zu diesem Augenblick noch etliche 200 irakische Anwälte, aber auch solche anderer Nationalitäten, darunter Amerikaner, den Wunsch ausgedrückt, den Journalisten gratis zu verteidigen". Wird der Eklat - angesichts der Popularität und Vielzahl der weltweiten Meldungen dazu - auch die Sprache verändern? Wird man künftig nicht mehr einen (Fehde)Handschuh hinwerfen, wenn man zum Kampf bereit ist, sondern Schuhe?

http://www.heise.de/tp/blogs/6/120435
>
<

Darstellungsbreite ändern

Da bei großen Monitoren im Fullscreen-Modus die Zeilen teils unleserlich lang werden, können Sie hier die Breite auf das Minimum zurücksetzen. Die einmal gewählte Einstellung wird durch ein Cookie fortgesetzt, sofern Sie dieses akzeptieren.

Cover

Mensch+

Upgrade-Revolution für Homo sapiens
Das neue Telepolis-Special

Ein neuer Bundespräsident?

Wulff will aussitzen, aber die Geduld ist am Ende. Soll er endlich, aber schnell seinen Hut nehmen?

abstimmen

Humanitäre Intervention als propagandistischer Normalfall

Peter Mühlbauer 20.10.2009

Interview mit Christoph Kampmann zur Geschichte eines Phänomens

In den letzten zwanzig Jahren begannen militärische Auseinandersetzungen mehrfach als "Humanitäre Interventionen". Der Historiker Christoph Kampmann hat entdeckt, dass die für solche Eingriffe eingesetzten Argumentationen nicht erst in der Ära nach dem Kalten Krieg entstanden, sondern weitaus früher zum Einsatz kamen.

weiterlesen
bilder

seen.by


TELEPOLIS