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Die langen Messer von Wolverine

Cam-Rips und Pre-Screener - Filmkritik auf neuen Wegen

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Bei groß gehypten Film-Events sind Verleiher und Produzenten seit einiger Zeit der Idee verfallen, vorab erscheinende Kritiken zu verhindern. Journalisten reagierten auf entsprechende "Knebelverträge" erbost; für Filmkritiker ist klar: "Berichterstattung (erst recht, aber nicht allein, negative) soll das Marketing nicht stören. In den USA zeigt nun der Fall "X-Men Origins: Wolverine", wie die Wirklichkeit die einfach gestrickten Wünsche der Filmindustrie unterläuft: unerlaubte Kopien, die schon vor dem offiziellen Filmstart, im Internet verfügbar sind, übernehmen jene wesentliche Funktion der Filmkritik, die man so gerne kontrollieren möchte: Sie vermitteln dem Zuschauer einen Eindruck davon, ob es sich lohnt, den Film im Kino überhaupt anzusehen und zwar schon vorab.

Seit Dienstag kursiert eine Schwarzkopie von "Wolverine" im Netz, 75000 mal sei der Film schon heruntergeladen worden, meldete die BBC gestern, erste Besprechungen würden online erscheinen. Der Film kommt erst am 1. Mai ins Kino. Der Verleiher, die 20th Century Fox tobt. Trotzdem die Studios Millionen investieren, damit jeder Schritt der Filmproduktion genaustens überwacht wird, trotzdem sie den Film mit bestimmten Markierungen versehen, um die Anfertigung unerlaubter Kopien zu verhindern, gab es eine Lücke. In einer öffentlichen Mitteilung machte der Medienkonzern darauf aufmerksam, dass das FBI eingeschaltet sei. Zudem droht die Produktions-und Verleihfirma damit, dass sich "die Quelle der undichten Stelle" und die "Weiterverbreiter" darauf gefasst machen müssten, dass rechtliche Möglichkeiten in diesem Falle voll ausgeschöpft würden. Und schon mit den ersten Sätzen wies Fox daraufhin, dass es sich um eine Rohkopie handle, der "viele Effekte und einige Szenen" fehlen würden, zeitweilig auch Geräusche und Musik.

Bei Fox spekuliert man offensichtlich darauf, Zuschauer mit der Aussicht auf eine weitaus bessere Fassung ins Kino zu locken - die BBC berichtet dagegen von einer "high quality copy" - zitiert aber auch eine "Internet-Kritik", die das Fehlen von Computer Generated Imagery bemängelt.

Unstrittig ist hingegen: Versuche, die Schwarzkopie vom Netz zu nehmen, scheiterten nach Informationen der New York Times an der Geschwindigkeit, mit der die "Wolferine-Kopie" dort verbreitet würden. Bei den Reaktionen auf den Wolverine-Leak finden sich nun auch Meinungen aus Produzenten- und Fachkreisen, die deutlich von der Position der 20th Century Fox abweichen - und der schlechten Qualität der Kopie eine andere Bedeutung zuweisen als der Verleiher.

So zitiert das Fachblatt Hollywood Insider den Vertreter einer großen Produktionsfirma mit dem Argument, dass die Internet-Kopie keinen bemerkenswerten Schaden an den Kinokassen anrichten werden und dass sich Fans eher dazu ermuntert fühlen könnten, den Film sogar mehrmals anzuschauen. In eine ähnliche Richtung argumentiert auch Eric Garland, Geschäftsführer der Marktforschungsfirma BigChampagne, die sich auf die "Reichweitenmessung" von Internetveröffentlichungen spezialisiert hat. Auch er glaubt nicht daran, dass der relativ kleine Prozentsatz der Online-Zuseher auf die Zahlen der Kinobesuche wesentlichen Einfluss hat.

Die große Angst der Studios sei die vor "schlechter Mundpropaganda", auf das Internet bezogen heißt das die Angst vor schlechten Vorab-Kritiken. Daher, so Garland, sei es auch besser, wenn eine qualitativ hochwertige Kopie kursiere.

http://www.heise.de/tp/blogs/6/135692
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