In Schweden hat der bekannte Schriftsteller Lars Gustafsson eine Wahlempfehlung für die Piratenpartei abgegeben
In keinem anderen Land hat eine Piratenpartei bei der Europawahl so gute Chancen wie in Schweden. Dazu trug auch ein im April gesprochenes Urteil im Pirate-Bay-Prozess bei, das den Anliegen der nach Mitgliedern gezählt mittlerweile drittstärksten Partei in dem skandinavischen Land viel Aufmerksamkeit brachte.
Kurz vor der Wahl melden sich nun auch prominente Unterstützer der schwedischen Piraten zu Wort: Der Schriftsteller Lars Gustafsson veröffentliche in der Tageszeitung Expressen nicht nur eine explizite Wahlempfehlung für die Piratpartiet, sondern erklärte auch sehr ausführlich, warum er sie wählt: Ihr Kampf gegen Zensur und für Bürgerrechte verkörpert für ihn den Beginn eines neuen Liberalismus, der, wie im 18. Jahrhundert, von Technologien befördert wird. Ein Internet, dass, so Gustafsson, nicht von "Lobby-marinierten Gerichten" in einen Regierungskanal verwandelt wird, sei durchaus mehr wert, als die Bedürfnisse eine weitgehend durchindustrialisierten Literatur- und Musikbranche.
Gusstafsson ist nicht nur in Schweden ein bekannter Autor: Seine Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter auch ins Deutsche – pikanterweise ausgerechnet vom Google-Gegner Hans Magnus Enzensberger. Der mit einer Arbeit über "Sprache und Lüge" habilitierte Philosoph veröffentlichte nicht nur Romane, sondern auch Lyrik und theoretische Schriften. Auch seine literarischen Texte dienten ihm nach eigenen Angaben als Vehikel für die Philosophie, in deren Rahmen er sich unter anderem intensiv mit dem Phänomen der Kreativität beschäftigte.
Bereits vor einem Monat hatte die schwedische Bestsellerautorin Unni Drougge Schlagzeilen gemacht, als sie ihr neues Hörbuch "Boven i Mitt Drama Kallas Kärlek" ("Der Übeltäter in meinem Drama heißt Liebe") aus Solidarität mit Pirate Bay exklusiv dort veröffentliche und davon sprach, dass sie die Bemühungen des Portals, "Kultur und Information frei im Internet zu verbreiten [...] aus vollem Herzen unterstütze". Verlage und Mendienkonzerne wollten dagegen "das Internet ersticken", nur um Monopolrechte- und renditen zu retten. Das aber führe in eine Überwachungsgesellschaft "bis in den kleinsten Winkel hinein", weshalb Pirate Bay die "größte demokratische Plattform unserer Zeit" sei.
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